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HIV-Therapie: Neue Daten bei Schwangeren

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Drei antiretrovirale Therapieregimes, die zur Behandlung von Patienten mit HIV-Infektion eingesetzt werden, haben in einer Auswertung von Daten aus den USA hinsichtlich der Sicherheit in der Schwangerschaft vergleichbar gut abgeschnitten. Die Datenbasis war jedoch nicht für alle Fragestellungen zufriedenstellend, schränken die Autoren der Studie im «New England Journal of Medicine» ein.

Alle drei Kombinationen – Zidovudin, Lamivudin und Ritonavir-geboostetes Lopinavir (ZDV-3TC-LPV/r), Tenofovir, Emtricitabin und Ritonavir-geboostetes Lopinavir (TDF-FTC-LPV/r) sowie TDF-FTC zusammen mit Ritonavir-geboostetem Atazanavir (ATV/r) – sind gängige Therapieregimes, auch wenn die Weltgesundheitsorganisation TDF-FTC-LPV/r in der Schwangerschaft nicht in erster Linie empfiehlt. Kürzlich hatte eine Studie mit afrikanischen und indischen Frauen ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen unter TDF-FTC-LPV/r gezeigt. Die Zweifel an der Sicherheit dieser Kombination kann auch die aktuelle Studie nicht vollständig ausräumen, so die Autoren um Dr. Kathryn Rough von der Harvard T.H. Chan School of Public Health.

Auslöser für die Untersuchung waren Ergebnisse der PROMISE-Studie, in der TDF-FTC-LPV/r das Risiko für frühe Frühgeburt (vor der 34. Schwangerschaftswoche) und sehr niedriges Geburtsgewicht (weniger als 1500 g) im Vergleich zu ZDV-3TC-LPV/r signifikant erhöht hatte. Im Rahmen der aktuellen Auswertung überprüften die Autoren die genannten Kombinationen erneut auf das Risiko für Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht anhand von 4646 Geburten von Teilnehmerinnen zweier großer US-amerikanischer Kohortenstudien. Als dritte Medikamentenkombination wurde TDF-FTC-ATV/r berücksichtigt, weil diese in den USA eines der am häufigsten eingesetzten Therapieregimes in der Schwangerschaft ist.

Von den Neugeborenen waren 539 im Mutterleib mit TDF-FTC-ATV/r behandelt worden, 954 mit ZDV-3TC-LPV/r, aber nur 128 mit TDF-FTC-LPV/r. Hinsichtlich des Risikos für frühe Frühgeburt oder sehr niedriges Geburtsgewicht bestand zwischen den drei Regimes kein Unterschied. Beide Komplikationen waren in weniger starker Ausprägung (Geburt zwischen der 34. und der 36. Schwangerschaftswoche, Geburtsgewicht 1500 bis 2499 g) jedoch unter TDF-FTC-LPV/r etwas häufiger als unter den beiden anderen Kombinationen. Dies galt jedoch nur für die nicht adjustierten Rohdaten und ausschließlich für Frauen, die die antiretrovirale Therapie bereits vor der Empfängnis begonnen hatten.

Da ausgerechnet die Medikamentenkombination, um deren Sicherheit es vor allem ging, mit Abstand am seltensten eingesetzt wurde, ist die Aussagekraft der Ergebnisse begrenzt, räumen die Autoren ein. Zudem waren die untersuchten Schwangerschaftskomplikationen absolut betrachtet selten. So ergab sich ein 95-Prozent-Konfidenzintervall, das so groß war, dass es sogar die in der PROMISE-Studie beobachteten Risikoanstiege beinhaltete. Hinzu kommt, dass Schwangere in den USA generell besser medizinisch versorgt sein dürften als in Afrika und Indien, wo die PROMISE-Studie durchgeführt worden war.

Alles in allem zeigt die aktuelle Studie eine generell hohe Sicherheit der getesteten Medikamentenkombinationen bei Schwangeren in einer Industrienation. In Deutschland werden alle untersuchten Arzneistoffe in der Schwangerschaft empfohlen. Daneben nennt die «Deutsch-Österreichische Leitlinie zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen» noch Abacavir, Nevirapin und Ritonavir-geboostetes Darunavir als Erstlinientherapeutika. (am)

DOI: 10.1056/NEJMoa1701666

 

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26.04.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Zanna Korobova (Symbolbild)