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Sinusitis: Antibiotika deutlich zu lang verordnet

 

Eine akute, unkomplizierte bakterielle Nasennebenhöhlen-Entzündung (Sinusitis) soll, sofern überhaupt erforderlich, nur über fünf bis sieben Tage mit einem geeigneten Antibiotikum behandelt werden. Das empfiehlt die US-Gesellschaft für Infektionskrankheiten. In der Realität liegt die durchschnittliche Behandlungsdauer in den Vereinigten Staaten aber bei zehn Tagen. Rund 70 Prozent der ambulant behandelten Patienten in den USA erhielten ihr Antibiotikum über zehn Tage oder länger, haben Wissenschaftler um Laura M. King von der US-Behörde CDC und dem National Center for Emerging and Zoonotic Infectious Diseases anhand der Daten von 3,7 Millionen entsprechender Praxisbesuche wegen Sinusitis mit folgender Antibiotika-Verschreibung berechnet.

 

Klammert man die nur über fünf Tage mit Azithromycin behandelten Patienten heraus (etwa 20 Prozent der Fälle), was nicht einmal empfohlen wird, waren es sogar neun von zehn Patienten, die zu lang Antibiotika verordnet bekamen. Nur 7,6 Prozent wurden über sieben Tage und sogar nur 0,5 Prozent über fünf Tage, also leitlinienkonform behandelt. Es sei unwahrscheinlich, dass diese Patienten alle zur Hochrisikogruppe gehörten oder auf eine vorangegangene antibakterielle Therapie nicht angesprochen hatten, schreiben die Forscher im Fachmagazin «JAMA Internal Medicine». Nur in diesen Fällen wird eine Therapiedauer von sieben bis zehn Tagen empfohlen.

 

Gründe für das häufige Überschreiten der Empfehlungen liefern die Autoren nicht. So war ihnen nicht bekannt, welche Grunderkrankungen bei den Patienten vorlagen. Sie weisen jedoch darauf hin, dass Antibiotic-Stewardship-Programme, wie man sie bereits häufig in Kliniken einsetzt, auch bei ambulant behandelten Patienten sicherstellen könnten, dass nur die minimal notwendige Antibiotika-Menge verordnet wird, so die Autoren. Hier besteht offensichtlich riesiges Sparpotenzial. Bislang werde der Fokus nur darauf gelegt, ob ein Antibiotikum nötig ist und welches geeignet ist. Zu einer korrekten Verordnung gehört jedoch auch die korrekte Dauer. (dh)

 

DOI: 10.1001/jamainternmed.2018.0407

 

26.03.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Lami