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Hormone, Gene, Sex: Was macht uns eigentlich glücklich?

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Das «Streben nach Glück» ist nicht nur in der Unabhängigkeitserklärung der USA als Recht verbrieft. Auch die Vereinten Nationen bezeichnen es als «grundlegendes Ziel des Menschen». Doch was ist Glück eigentlich? Und warum sind manche Menschen glücklicher als andere?

 

Aus neurobiologischer Sicht fühlen wir uns dann glücklich, wenn ein bestimmter Cocktail aus körpereigenen Chemikalien durch unser Gehirn strömt. Oxytocin beispielsweise wird bei Umarmungen und beim Orgasmus ausgeschüttet, bei Frauen auch während der Geburt und beim Stillen. Als sogenanntes Bindungshormon macht es uns entspannter, vertrauensseliger und monogamer. Wir empfinden auch ein Hochgefühl, wenn mehr Dopamin gebildet wird. Der Botenstoff regt im Hirn das «positive Belohnungszentrum» an, das mesolimbische System. Dopamin spielt auch bei der Produktion von Endorphinen eine Rolle. Diese lindern vor allem Schmerzen und stimulieren das Immunsystem. So können Umarmungen also gegen Traurigkeit helfen und Sex gegen Kopfschmerzen.

 

Zum Teil liegt das Glück aber auch in den Genen. Das Gen SLC6A4 leitet das Hormon Serotonin in die Zellen weiter und lässt uns entspannt und gut gelaunt sein. Forscher gehen grob betrachtet von zwei Arten dieses Gens aus: einer Langform und einer Kurzform. Wer ein längeres Gen hat, der hat mehr Serotonin in den Zellen und sieht eher das Positive. Ein kürzeres Gen macht anfälliger für Pessimismus. Wissenschaftler vermuten, dass Gene allgemein für ein Drittel bis die Hälfte unseres Wohlbefindens verantwortlich sind. Das würde erklären, warum manche Menschen unter gleichen Umständen glücklicher wirken als andere.

 

Nach Angaben von Forschern haben ein stabiles soziales Umfeld, Zuneigung und Liebe die nachhaltigste Wirkung für Glücksgefühle. Wer sich in seiner Familie und unter Freunden angenommen fühlt, meistert schwierige Lebensphasen leichter. Auch wer sich sozial oder ökologisch engagiert, lebt im Schnitt zufriedener. Allerdings halten zwar 68 Prozent der Befragten ein persönliches Engagement für wichtig, doch nur 23 Prozent setzten sich tatsächlich aktiv für soziale oder ökologische Maßnahmen ein. Reichtum macht übrigens ab einer gewissen Grenze kaum noch glücklicher. Es müssen vor allem die Grundbedürfnisse befriedigt werden, im besten Fall mit einem kleinen Polster. Darüber hinaus steigt das Glück nur noch sehr langsam an.

 

Deutschlands glücklichste Menschen lebten 2017 übrigens in Schleswig-Holstein, gefolgt von Hamburg und Baden. Das ergab Ende vergangenen Jahres der «Glücksatlas 2017» der Deutschen Post, der die subjektive Lebenszufriedenheit der Deutschen erfragt und auf einer Skala von 0 bis 10 festgehalten hat. Demnach erreichen die Deutschen insgesamt einen Wert von 7,07. Unter den einzelnen Bundesländern kommt Schleswig-Holstein auf 7,43, Hamburg und Baden auf jeweils 7,28. Ähnliche Werte wurden in Hessen (7,27), Franken (7,26) und Bayern-Süd (7,25) erreicht. Diese Spitzengruppe konnte sich 2017 vom Mittelfeld, das vor allem westdeutsche Regionen betrifft, absetzen. Der Osten Deutschlands hat in den letzten Jahren weiterhin aufgeholt und den Abstand zum Westen verkleinert. So sind die Menschen dort in Thüringen am zufriedensten (Platz 14 in Deutschland). Den stärksten Zuwachs konnte 2017 Mecklenburg-Vorpommern verzeichnen: Mit 0,12 Punkten mehr als im Jahr zuvor hat das Bundesland den letzten Platz von 2016 an Sachsen-Anhalt abgegeben (6,83 Punkte). Damit ist die Kluft zum Westen insgesamt nur noch gering. Zwischen dem Erstplatzierten und dem Letzten (Sachsen-Anhalt) beträgt der Abstand nur 0,6 Punkte. Die Deutschen sind also ziemlich glücklich, und das schon seit Jahren auf etwa dem gleichen Niveau.

 

Zum glücklichsten Land der Welt wurde 2018 Finnland erkoren. Kein anderes Volk ist insgesamt langlebiger, freigiebiger und weniger korrupt. Auf den Plätzen folgen Norwegen, Dänemark und Island. Deutschland schafft es auf Platz 15. Das erste Mal wurde in dem Bericht auch die Zufriedenheit von Einwanderern in 117 Ländern untersucht. Das Ergebnis: In Finnland leben auch die glücklichsten Migranten, Deutschland landet in dieser Kategorie «nur» auf Platz 28. Grund sei weniger die Migrationspolitik Deutschlands, erklärte Martijn Hendriks von der Erasmus Universität in Rotterdam, sondern die Herkunft der Einwanderer. Viele kämen aus Kriegsländern wie Syrien oder aus armen Ländern und seien damit schon in ihrer Heimat weniger glücklich gewesen.

 

Am 20. März ist der Internationale Tag des Glücks. Von der UN-Hauptversammlung 2012 beschlossen, wird der Weltglückstag seit 2013 jedes Jahr begangen. Mit diesem Tag will die UN Anerkennung gegenüber Staaten zum Ausdruck bringen, die Wohlstand auf eine Art und Weise messen, die über den materiellen Wohlstand hinausgeht. (ke)

 

DOI: 10.1016/j.neubiorev.2010.07.005 (Studie zu Langformen von SLC6A4)

 

13.03.2018 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/Tilly