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Studie: OTC-Schmerzmittel beinflussen Gefühle und Verhalten

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Nicht verschreibungspflichtige Schmerzmittel wie Ibuprofen und Paracetamol beeinflussen Gefühle und Verhalten womöglich stärker als gedacht. Sie dämpfen anscheinend nicht nur das physische Schmerzempfinden, sondern auch die Gefühle, berichten Forscher der Universität Kalifornien in Santa Barbara jetzt in einem Review im Fachmagazin «Policy Insights from the Behavioral and Brain Sciences». So empfanden Frauen emotional schmerzliche Erfahrungen, zum Beispiel von einem Spiel ausgeschlossen zu werden oder über einen Betrug zu schreiben, als weniger schlimm, wenn sie eine Dosis Ibuprofen genommen hatten, im Vergleich zu Frauen unter Placebo. Bei Männern zeigte sich allerdings der gegenteilige Effekt.

 

Auch die Empathie wird Studien zufolge beeinflusst: Testpersonen, die eine Dosis Paracetamol eingenommen hatten, reagierten weniger emotional gestresst, wenn sie über eine Person lasen, die physische oder mentale Schmerzen erlitt. Auch auf Objekte wie schöne und unangenehme Fotos reagierten die Versuchspersonen weniger ausgeprägt nach Paracetamol-Einnahme. Unter Schmerzmittel-Einfluss fällt es zudem wohl leichter, sich von Eigentum zu trennen: In einer weiteren Studie setzten Probanden unter Paracetamol einen niedrigeren Verkaufspreis für ihre Besitztümer an als die Placebogruppe.

 

Bildgebende Verfahren hätten gezeigt, dass körperliche und soziale Schmerzen im Hirn wohl ähnlichen Mechanismen unterliegen. Die Studienautoren sehen die Ergebnisse angesichts der Millionen Schmerzmittel-Nutzer als alarmierend an: «Wenn Verbraucher ein OTC-Schmerzmittel einnehmen, glauben sie, dass das ihre körperlichen Symptome lindert, aber sie vermuten keinen breiten psychologischen Effekt», schreiben Kyle G. Ratner, Amanda R. Kaczmarek und Youngki Hong.

 

Auf der anderen Seite ließen sich die beobachteten Effekte aber vielleicht auch nutzen, um Personen mit verletzten Gefühlen zu helfen. Hierzu sei jedoch mehr Forschung nötig, um die Wirksamkeit und Folgen zu untersuchen. (dh)

 

DOI: 10.1177/2372732217748965

 

08.02.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Roman Stetsyk