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Social Freezing: Eizellen möglichst früh einfrieren

 

Wer darüber nachdenkt, erst im höheren Alter ein Baby zu bekommen, sollte sich möglichst früh Eizellen entnehmen lassen. «Das Einfrieren der Eizellen sollte möglichst in Zeiten hoher Fruchtbarkeit, idealerweise vor dem 35. Lebensjahr erfolgen», erklärt die Hormonspezialistin Professor Dr. Katrin van der Ven in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Der Höhepunkt der Fruchtbarkeit liegt bei Frauen vor dem dreißigsten Lebensjahr. In diesem Lebensabschnitt stehen jedoch häufig Ausbildung und berufliche Entwicklung im Vordergrund oder es findet sich noch kein passender Lebenspartner.

«Inzwischen ist es aber möglich, Eizellen schonend einzufrieren und eine sogenannte Fertilitätsreserve anzulegen», erklärt van der Ven. Eine künstliche Befruchtung der eigenen «jung gebliebenen» Eizellen gibt den Frauen die Möglichkeit einer späten Schwangerschaft und auf ein Kind mit den eigenen Erbanlagen. Dabei sei die Zahl der erreichten Befruchtungen und Schwangerschaften bei aufgetauten Eizellen genauso hoch wie bei der künstlichen Befruchtung mit frisch gewonnenen Eizellen. Auch in Bezug auf Schwangerschaftsrisiken gebe es keinen Unterschied.

«Vor der Entscheidung für Social Freezing sollte sich jede Frau individuell und ausführlich über gesundheitliche und finanzielle Aspekte beraten lassen», rät Professor Dr. Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE. Die Kryokonservierung von Eizellen wurde ursprünglich für junge Krebspatientinnen entwickelt, bei denen die Tumortherapie auch die Fortpflanzungsorgane schädigen kann. Zunehmend wird das medizinische Verfahren auch aufgrund der Lebensplanung in Anspruch genommen. Liegt kein medizinischer Grund vor, spricht man von Social Freezing.

Da bereits seit einigen Jahren die Geburtenrate bei Frauen unter 30 niedriger liegt als bei Frauen über 30 Jahre, komme den Möglichkeiten der assistierten Fortpflanzung eine immer größere Bedeutung zu. Beim Social Freezing seien aber noch viele rechtliche und ethische Fragen ungeklärt, so DGE-Kongresspräsident Professor Dr. Ulrich Schweizer. Darüber wollen die Endokrinologen im Rahmen ihres jährlichen Kongresses im März in Bonn diskutieren. «Hierzu gehört beispielsweise die Frage, was mit Eizellen beziehungsweise befruchteten Eizellen und Embryonen geschehen soll, wenn diese nicht für eine Schwangerschaft genutzt werden», so Schweizer. (dh)

 

15.02.2018 l PZ

Foto: Fotolia/YakobchukOlena