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Ernährung: Eltern unterschätzen den Zuckergehalt von Nahrungsmitteln

 

Wie viel Zucker in Lebensmitteln steckt, wird von der Mehrheit der Eltern falsch – in der Regel zu gering – eingeschätzt. Das kann Auswirkungen auf das Gewicht der Kinder haben, berichten Forscher des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB) und der Universität Mannheim im «International Journal of Obesity». «Eltern vermuten häufig deutlich weniger Zucker in Lebensmitteln als tatsächlich enthalten ist. Dies ist ein potenzieller Risikofaktor für Übergewicht bei Kindern. So hatten die Eltern, die den Zuckergehalt unterschätzten auch häufiger übergewichtige Kinder», sagt Ersautorin Mattea Dallacker.

Laut Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte der Zuckerkonsum für Kinder wie auch Erwachsene nicht mehr als 10 Prozent der täglichen Energiezufuhr ausmachen. Dies entspricht bei einem durchschnittlichen Erwachsenen etwa 16 Zuckerwürfeln à 3 g Zucker; bei sieben- bis zehnjährigen Kindern etwa 15. In Deutschland ist die verzehrte Menge fast doppelt so hoch, heißt es in einer Pressemitteilung des MPIB.

Den Konsum regulieren kann man nur, wenn der Zuckergehalt der Lebensmittel bekannt ist. Wie gut Eltern in dieser Hinsicht abschneiden, untersuchten die Forscher um Mattea Dallacker mit 305 Eltern-Kind-Paaren, von denen die Kinder zwischen sechs und zwölf Jahre alt waren. Die Eltern sollten den Zuckergehalt von sechs gängigen Nahrungsmitteln und Getränken in Zuckerwürfeln schätzen: Orangensaft, Cola, Pizza, Joghurt, Müsliriegel und Ketchup. Es zeigte sich, dass 74 Prozent der Eltern den Zuckergehalt der meisten Nahrungsmittel und Getränke teils erheblich unterschätzten. Bei Joghurt zum Beispiel lagen sogar 92 Prozent daneben – und das im Schnitt um sieben Würfel

Besonders vertan haben sich die Eltern bei den Nahrungsmitteln und Getränken, die allgemein für gesund gehalten werden, wie Joghurt oder Orangensaft (84 Prozent). Lediglich bei Müsliriegeln und Ketchup überschätzten mehr Eltern den tatsächlichen Zuckergehalt. «Es ist wichtig, dass Eltern als Ernährungsentscheider über den Zuckergehalt von Lebensmitteln und Getränken Bescheid wissen», sagt Coautor Ralph Hertwig vom MPIB. «Nur so können sie den kindlichen Zuckerkonsum regulieren und eine gesunde Ernährung bieten.» Dabei könnten transparente und auf den ersten Blick verständliche Kennzeichnungen helfen. (ch)

DOI: 10.1038/s41366-018-0021-5

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28.02.2018 l PZ

Foto: Fotolia/JackF