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IQWiG: Direkte Vergleiche zwischen neuen Arzneien sinnvoll

 

2017 hatte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) gleich drei neue Antikörper mit der Indikation Urothelkarzinom auf ihren Zusatznutzen begutachtet – allerdings die einzelnen Immuntherapien nicht gegeneinander verglichen, da dies das Verfahren zur frühen Nutzenbewertung bislang nicht vorsieht. «Jetzt haben wir drei Wirkstoffe für dasselbe Anwendungsgebiet, aber die Bewertungsergebnisse können nicht vernünftig in Beziehung gesetzt werden», kritisiert IQWiG-Leiter Professor Dr. Jürgen Windeler. «Man sollte zum Beispiel Ärzten nicht zumuten, mehrere Bewertungen eigenhändig zu vergleichen, um zu entscheiden, welche Immuntherapie sich für ihre Patienten am besten eignet.»

Da solche Konstellationen nun immer häufiger auftreten würden, wünscht sich das IQWiG, sich auf bereits erfolgte Nutzenbewertungen beziehen zu dürfen. «Und wenn die Hersteller die für eine gute Versorgung notwendigen direkten Vergleiche weiterhin nicht selbst durchführen, sollten solche Studien öffentlich gefördert werden», fordert Windeler darüber hinaus.

Bei den untersuchten Arzneistoffen handelt es um die Checkpoint-Inhibitoren Nivolumab, Atezolizumab und Pembrolizumab. Indiziert sind sie bei Urothelkarzinom. Das sind Karzinome des Übergangsgewebes der ableitenden Harnwege, die sich somit als Nierenbecken-, Harnleiter-, Harnröhren- oder Blasenkrebs zeigen können. Die IQWiG-Bewertungen fielen durchwachsen aus: Als Erstlinientherapie anstelle einer Chemotherapie kommt derzeit keiner der drei Wirkstoffe in Betracht. Nivolumab ist nicht entsprechend zugelassen, für Pembrolizumab und Atezolizumab ist laut IQWiG ein Zusatznutzen bei Therapiestart ohne Vorbehandlung nicht belegt.

In der Zweitlinientherapie sieht es etwas besser aus: Für Atezolizumab gebe es einen Anhaltspunkt und für Pembrolizumab einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen. Ein Zusatznutzen von Nivolumab als Zweitlinientherapie sei dagegen mangels geeigneter Studiendaten nicht belegt, schreibt das IQWiG. «Dass wir zwei Zweitlinientherapien positiv bewerten konnten, aber für keinen der Wirkstoffe vernünftige Erstlinien-Studiendaten vorliegen, ist schon kurios», meint dazu Windeler.

Wie so häufig bemängelt das Institut die mangelhafte und uneinheitliche Datenlage. Für drei der insgesamt fünf Fragestellungen hätten die Hersteller keine Studien benannt, in denen ihre Wirkstoffe direkt einer Vergleichstherapie gegenübergestellt wurden. Stattdessen reichten sie Daten aus einzelnen Studienarmen ein, die zudem teils unvollständig waren. (dh)

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Wirkstoffprofile in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe:

Atezolizumab|Tecentriq®|86|2017

Nivolumab|Opdivo®|86|2015

Pembrolizumab|Keytruda®|86|2015

 

05.01.2018 l PZ

Foto: Fotolia/mdworschak