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Krebs-OP: Viele Kliniken zu unerfahren

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Krebspatienten sterben in Deutschland häufig zu früh, weil sie in einer wenig erfahrenen Klinik operiert wurden. Das hat eine Analyse von Krankenhausdaten für den Qualitätsmonitor des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) ergeben. «In Deutschland gibt es viel zu viele Kliniken, die nur hin und wieder mal eine komplizierte Krebs-Operation durchführen», sagte Studienautor Professor Thomas Mansky von der Technischen Universität Berlin.

 

Beispiel Lungenkrebs: In Krankenhäusern, die Patienten mit dieser Krebsart mehr als 75 Mal pro Jahr operieren, liegt deren Sterblichkeitsrate im Schnitt bei 2,5 Prozent. In den anderen Kliniken sind es 4,1 Prozent. 260 deutsche Kliniken führen einen solchen Eingriff nur fünfmal pro Jahr durch. In diesen Häusern fehlten Routine und die notwenigen Spezialisierungen, klagte Mansky. Bei Operationen anderer Krebsarten sehe es ähnlich aus, etwa bei Speiseröhren-, Pankreas-, Blasen- und Darmkrebs.

 

Diese «Gelegenheitschirurgie» sei unakzeptabel, befand AOK-Vorstand Martin Litsch. Einzige Lösung sei die Einführung und konsequente Durchsetzung von Mindestmengen. Die AOK fordert schon lange, Kliniken sollten bestimmte Eingriffe nur durchführen dürfen, wenn sie auf eine gewisse Anzahl pro Jahr kommen. Laut WIdO-Analyse würde etwa eine Mindestmenge von 108 Eingriffen pro Jahr die Sterblichkeitsrate infolge von Lungenkrebs-Operationen um 20 Prozent senken.

 

Für sieben Indikationen sind Mindestmengen hierzulande bereits vorgeschrieben. Sie werden laut AOK jedoch kaum eingehalten. Die Krankenkasse will deshalb nun im Gemeinsamen Bundesausschuss Mindestmengen für Lungen- und Brustkrebs-Operationen fordern und sich dafür einsetzen, dass die bereits bestehenden Mindestzahlen an Operationen bei Speiseröhren- und Pankreaskrebs erhöht werden. Außerdem drohte Litsch den Kliniken: Die AOK werde Operationen künftig nicht mehr bezahlen, wenn die durchführenden Krankenhäuser sich nicht an die vorgeschriebenen Mindestmengen halten, sagte er.

 

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) reagierte umgehend und nannte die WIdO-Untersuchung unseriös. Zwar seien Mindestmengen in der Tat bedeutsam, jedoch keine alleinige Lösung. Außerdem seien die Krankenkassen selbst schuld daran, dass die Bildung spezialisierter Zentren an Krankenhäusern nicht vorankomme, da sie auf bestimmten Fixkosten beharrten. «Statt Effekthascherei mit Angstbotschaften in die Bevölkerung zu senden, sollten die Ortskrankenkassen aufhören, die Entwicklung von Zentren weiter zu blockieren», so DKG-Chef Georg Baum. (ap)

 

23.11.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Cukrov