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Pilotprojekt Telenotarzt: Lange Anfahrtszeiten überbrücken

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Der dünn besiedelte Landkreis Vorpommern-Greifswald will mit dem System des Telenotarztes künftig wichtige lebensrettende Minuten bis zum Eintreffen des Notarztes überbrücken. Das Pilotprojekt mit einem speziell ausgestatteten Rettungswagen ist heute in Greifswald in Betrieb genommen worden.

 

Der Telenotarzt kommuniziere dabei per Headset mit dem Rettungsdienst an der Unfallstelle, erhalte zeitgleich die Vitaldaten wie EKG, Blutdruck und Sauerstoffsättigung des Patienten, um dann in Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst vor Ort die therapeutischen Entscheidungen zu treffen, teilte ein Sprecher des Kreises mit. Damit solle die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes überbrückt werden.

 

Zudem könnten Patienten, bei denen ein Rettungswagen, jedoch kein Notarzt alarmiert wurde, früher ärztlich therapiert werden. Das Telenotarztsystem ist Teil eines mit 5,4 Millionen Euro vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geförderten Projektes. Landkreis und Universitätsmedizin Greifswald erproben dabei unter dem Motto «Land|Rettung» ein bundesweit einmaliges Vier-Säulen-Modell zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung in ländlichen Regionen. Neben dem Telenotarztsystem gehört auch der Ausbau der Laienreanimation und – seit einem Monat – eine Alarmierungs-App für medizinisch vorgebildetes Personal dazu. Dabei werden qualifizierte Ersthelfer wie Ärzte, Krankenschwestern oder Feuerwehrleute, die sich zufällig in der Nähe eines lebensbedrohlich Erkrankten befinden, auf ihrem Handy alarmiert und können schnell Erste Hilfe leisten. Das Projekt wird nach medizinischen, ökonomischen und arbeitswissenschaftlichen Gesichtspunkten von Fachleuten auf seine Wirksamkeit untersucht.

  

04.10.2017 l dpa

Foto: Fotolia/Thaut Images