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Gesundheitsnetzwerk: AOK bringt digitale Akte an den Start

 

Mit zwei Modellprojekten wollen die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) die digitale Vernetzung im Gesundheitswesen vorantreiben. Im sogenannten AOK-Gesundheitsnetzwerk sollen Ärzte, Kliniken und Patienten künftig unkompliziert Dokumente wie Untersuchungsbefunde und Medikationspläne austauschen können. Los geht es im November in Mecklenburg-Vorpommern, zum Jahreswechsel startet dann ein zweites Pilotprojekt in Berlin. Das sei allerdings nur der Auftakt, sagte der Chef des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, heute in Berlin. «Unser Ziel ist ein bundesweites Angebot, das regional aber verschieden ausgestaltet sein kann.»

 

Im Kern geht es beim AOK-Gesundheitsnetzwerk um eine digitale Akte. Der Patient kann seine Daten dort einsehen und entscheidet selbst, wer darauf zugreifen darf. Im Netzwerk wird dabei lediglich eine Verlinkung erstellt, die Dokumente bleiben beim jeweiligen Leistungserbringer und werden nicht zentral gespeichert. Darüber hinaus kann der Versicherte selbst erhobene Daten wie Messwerte sogenannter Wearables hinterlegen, damit sie beispielsweise der Arzt einsehen kann.

 

Litsch zufolge stößt das neue Angebot der AOK auf große Akzeptanz. Einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge halten 81 Prozent der Befragten den Austausch medizinischer Daten über eine digitale Gesundheitsakte für sinnvoll, rund drei Viertel (78 Prozent) würden eine solche Plattform nutzen. Die Mehrheit der Patienten stehe digitalen Lösungen inzwischen offen gegenüber, so Litsch. «Die Zeit ist reif für solche Angebote.»

 

Die AOK arbeitet in Mecklenburg-Vorpommern mit zwei Kliniken und dem Ärztenetz HaffNet zusammen. In Berlin beteiligen sich die private Klinikgruppe Sana sowie der Krankenhauskonzern Vivantes. Hier sollen unter anderem digitale Medikationspläne über das Netzwerk ausgetauscht werden können. Apotheker sind derzeit nicht an dem Projekt beteiligt. Grundsätzlich handele es sich aber um eine offene Plattform, die langfristig weiteren Akteuren zur Verfügung stehen soll – auch anderen Krankenkassen, heißt es.

 

Mit ihrem Netzwerk zieht die AOK auch Konsequenzen aus dem Pannen-Projekt elektronische Gesundheitskarte (EGK), das seit Jahren nicht richtig vorankommt. Zwar stehe das AOK-Projekt nicht in Konkurrenz zur Telematik-Infrastruktur, betonte Litsch. «Wir tragen aber mit unserer Eigenentwicklung der Tatsache Rechnung, dass die technischen Möglichkeiten heute schon viel weiter sind als zu Zeiten der EGK-Entwicklung.» Ohnehin seien zentrale Ansätze keine Lösung. Im Rahmen des AOK-Gesundheitsnetzwerks können die elf regionalen Ortskrankenkassen mit den Partnern vor Ort unterschiedliche Services und Anwendungen vereinbaren – je nachdem, was die regionalen Gegebenheiten zulassen. Alle diese Lösungen könnten aber an die Telematik-Infrastruktur angedockt werden, so Litsch. «Wir entwickeln keine Insellösungen, sondern wollen Teil der gesamten digitalen Vernetzung sein.»

 

Langfristig plant die AOK im Gesundheitsnetzwerk weitere Anwendungen. So könnte etwa ein Notfalldatensatz folgen, auf den Rettungssanitäter im Fall der Fälle schnell zugreifen können. (sch)

 

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10.10.2017 l PZ

Foto: Fotolia/angellodeco