Pharmazeutische Zeitung Online
AMK

Entlassmanagement: Apotheker frühzeitig einbeziehen

Datenschutz bei der PZ

Seit dem 1. Oktober haben alle Patienten bundesweit einen Anspruch auf ein strukturiertes Entlassmanagement. Um die Medikation beim Übergang vom Krankenhaus nach Hause so schnell und sicher wie möglich zu gewährleisten, haben das Klinikum Braunschweig, die niedergelassenen Ärzte und die Apotheker der Stadt zum Stichtag ein großangelegtes Pilotprojekt gestartet, das über die neuen gesetzlichen Anforderungen hinausgeht.

Alle Patienten des Klinikums Braunschweig, die für das Entlassmanagement infrage kommen, erhalten nun an ihrem Entlasstag einen aktuellen bundeseinheitlichen Medikationsplan in ausgedruckter Form. Darüber hinaus werden für die Patienten der drei Kliniken Hämatologie und Onkologie, Geriatrie und Rheumatologie sowie Nieren- und Hochdruckkrankheiten die Daten des Medikationsplans noch am selben Tag auch an den behandelnden Arzt und die Daten des Entlassrezepts an die Stammapotheke übermittelt, das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt. Die freie Apothekenwahl bleibt dabei gewährleistet.

«Die Braunschweiger Apotheken müssen sich nicht extra anmelden, um teilzunehmen», erläutert Christopher Jürgens, Vizepräsident der Apothekerkammer Niedersachsen, im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Alle Apotheken im entsprechenden Postleitzahlgebiet sind über das Projekt informiert.

Der Vorteil für Patient, Apotheker und Arzt ist eine lückenlose Versorgung. «Durch die frühe Information kann sich der Apotheker entsprechend bevorraten, insbesondere vor dem Wochenende», so Jürgens. «Und die niedergelassenen Ärzte können sich bei Fragen zur neuen oder geänderten Medikation direkt und frühzeitig mit den Kollegen im Krankenhaus in Kontakt setzen. Das fand bei den niedergelassenen Ärzten breite Zustimmung.»

Das Projekt wird in den ersten Monaten wissenschaftlich von Professor Dr. Stephan Scherneck vom Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie der Technischen Universität Braunschweig begleitet. Es soll unter anderem evaluiert werden, ob sich durch die neuen Prozesse an der Schnittstelle stationär-ambulant Medikationsfehler vermeiden lassen und die Patientenzufriedenheit steigt. Dazu sollen die beteiligten Patienten, Apotheken und Ärzte unter anderem Fragebögen ausfüllen.

Wenn die Telematik auf Bundesebene soweit ist, soll auf den digitalen Medikationsplan umgestellt werden. «So kann zukünftig sichergestellt werden, dass sowohl Informationsverluste als auch Übertragungsfehler bei der Medikation vermieden werden», so Jürgens. Apotheker sollen den Plan dann in Zukunft digital auslesen und gegebenenfalls ergänzen und verändern können.

Die Medikationspläne selbst sollen von den Klinikärzten auf den Stationen erstellt werden. Dabei können sie auf Wunsch von den Klinikapothekern unterstützt werden, erläutert Cordula Maring-Nöh, die das Projekt von der Seite der Klinikapotheke her betreut.

Maring-Nöh und Jürgens, der selbst Krankenhausapotheker in Hannover ist, hoffen, dass mit der ursprünglich geplanten flächendeckenden Einführung von Stationsapothekern in Niedersachsen die Krankenhausapotheker stärker in das Entlassmanagement einbezogen werden. Das Vorhaben, Krankenhäuser zur Einstellung von Stationsapothekern zu verpflichten, liegt derzeit wegen des frühzeitigen Regierungs-Aus im Landtag auf Eis. Ob das von der SPD initiierte Gesetz noch kommt, hängt von dem Ausgang der Landtagswahl an diesem Wochenende ab. (dh)

Lesen Sie dazu auch

Klar, verbindlich, strukturiert: Das neue Entlassmanagement, Meldung vom 27.09.2017

Start des Entlassrezepts: Teufel im Detail, Meldung vom 26.09.2017

ADKA: Stationsapotheker bundesweit benötigt, Meldung vom 18.08.2017

 

Mehr zum Thema AMTS

 

13.10.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Robert Kneschke