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XFEL: Erste Experimente wichtig für Arzneistoffentwicklung

 

Nach achtjähriger Bauzeit wird heute die Röntgenlaseranlage European XFEL in Hamburg offiziell eröffnet. Dort sollen die hellsten Röntgenblitze der Welt erzeugt werden, um winzige Proben wie Proteine, Zellen oder Viren zu untersuchen. An dem 1,2 Milliarden Euro teuren Projekt sind elf europäische Länder beteiligt. Der mit Abstand größte Geldgeber ist Deutschland. In der 3,4 Kilometer langen Tunnelanlage zwischen Bahrenfeld und Schenefeld (Kreis Pinneberg) werden ultrahelle Blitze erzeugt. Auf Bildern und 3D-Filmen sollen dadurch Strukturen und chemische Prozesse in der Nanowelt sichtbar werden. Die Abkürzung XFEL steht für X-Ray Free-Electron Laser, auf Deutsch Röntgenlicht-Freie-Elektronen-Laser.

 

Bei einem der ersten Experimente am European XFEL geht es um Proteinstrukturen. Anton Barty vom Deutschen Elektronen-Synchrotron (Desy) will wissen, wie genau die winzigen Eiweiße aufgebaut sind und funktionieren. Die Molekülstruktur von Proteinen zu kennen sei wichtig, um neue Arzneien zu entwickeln, sagt Barty. Ob ein Molekül an ein anderes andocken kann, sei ganz entscheidend für die Wirksamkeit eines Medikaments. Barty denkt an Mittel, die Antibiotika-Resistenzen überwinden können, an neue Schmerzmittel oder sogenannte Designer Drugs mit weniger Nebenwirkungen.

 

Ein weiteres Forschungsfeld seines Teams ist die Untersuchung der Photosynthese in Pflanzen. Barty hofft auch hier auf Filme, die diese Prozessn in Aktion zeigen. Möglicherweise könnten die Bilder des XFEL dazu beitragen, die Photosynthese eines Tages technisch zu nutzen.

 

01.09.2017 l dpa

Foto: Fotolia/polesnoy (Symbolbild)