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Propofol-Infusionssyndrom: Vorsichtsmaßnahmen beachten

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Propofol ist eine der am häufigsten eingesetzten Substanzen in der Anästhesie und wird zur Sedierung für diagnostische Maßnahmen und in der Intensivmedizin eingesetzt. Als schwere Nebenwirkung kann das sogenannte Propofol-Infusionssyndrom (PRIS) auftreten. Dabei kommt es zu einer schweren metabolischen Azidose, Herz-Rhythmus-Störungen bis hin zu Herzversagen, Rhabdomyolyse, Nierenversagen und Hypertriglyceridämie. Darauf hatte die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft bereits 2004 hingewiesen, weist aber aufgrund weiterer PRIS-Fälle erneut auf die nötigen Vorsichtsmaßnahmen hin. Vermutlich kommt es bei einem PRIS zur Blockade der Atmungskette in den Mitochondrien und einer Transportstörung für Fettsäuren.

 

«Bei den meisten berichteten PRIS-Fällen wurde Propofol in einer Dosis > 5 mg/kg/h und über einen Zeitraum von mehr als 48 Stunden eingesetzt, in Einzelfällen wurde ein PRIS auch schon nach kurzer Infusionsdauer mit moderaten Dosierungen (> 4 mg/kg/h) beschrieben», teilt die AkdÄ jetzt im „Deutschen Ärzteblatt“ mit. Sowohl Kinder als auch Erwachsene waren betroffen. Propofol sei eine Substanz, die besonders bei der längerfristigen Sedierung und bei Anwendung bei schwerkranken Patienten nur mit Vorsicht und kontrolliert eingesetzt werden sollte und die ein engmaschiges Monitoring erfordert, so die AkdÄ. Grundsätzlich sollten nur anästhesiologisch oder intensivmedizinisch ausgebildete Ärzte Propofol verabreichen.

 

Propofol ist zur Allgemeinanästhesie bei Kindern ab einem Monat zur Narkoseeinleitung und Narkoseaufrechterhaltung zugelassen. Die AkdÄ weist darauf hin, dass Kinder aufgrund des Verteilungsvolumens eine höhere Initialdosierung als Erwachsene benötigen, aber nach circa einer Stunde eine deutliche Dosisreduktion erforderlich ist. Insbesondere nach längerer Nüchternheit sollten Kinder eine parallel laufende Glucose-haltige Infusionslösung erhalten, denn eine unzureichende Glucose-Zufuhr kann die Entstehung der gefürchteten Stoffwechselentgleisung begünstigen.

 

Zur Sedierung in der Intensivmedizin ist Propofol erst ab einem Alter von 16 Jahren zugelassen, mit einer Begrenzung der maximalen Dosierung auf 4 mg/kg/h und einer Anwendungsdauer von maximal sieben Tagen. Dabei sei darauf zu achten, dass durch zusätzliche Bolusgaben die Maximaldosierung nicht überschritten wird. «Da die meisten PRIS-Fälle bei einer Anwendung länger als 48 Stunden auftraten, sollte nach 48 Stunden eine kritische Reevaluierung hinsichtlich der Indikation zur Propofol-Sedierung erfolgen und auf jeden Fall eine Dosisreduktion in Erwägung gezogen werden», empfiehlt die AkdÄ. Als Alternativen nennt sie a2-Rezeptoragonisten wie Dexmedetomidin oder Clonidin sowie Benzodiazepine wie Midazolam.

 

«Bei lang dauernden Narkosen sollten regelmäßig Blutgasanalysen und Bestimmungen des Lactatwertes erfolgen, obwohl ein PRIS während einer Narkose bisher nur in wenigen Einzelfällen dokumentiert worden ist», schreibt die AkdÄ. Bei Anwendung im intensivmedizinischen Bereich sollen täglich mehrfach Lactatbestimmung und mindestens einmal täglich eine Bestimmung der Kreatinkinase durchgeführt werden. Lactaterhöhungen, die nicht durch eine Hypovolämie, Sepsis oder andere Ursachen zu erklären sind, sowie eine unerklärliche kardiale Dysfunktion und EKG-Veränderungen können ein Hinweis auf ein PRIS sein. Dann sollte der Arzt die Propofol-Zufuhr beenden. Bei Patienten mit Mitochondriopathie oder mit ungeklärten Fettstoffwechselstörungen sollte der Arzt Alternativen zur Sedierung mit Propofol in Erwägung ziehen. (dh) 

 

22.05.2017 l PZ

Foto: Fotolia/sudok1 (Symbolbild)