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Mebendazol: Wurmmittel gegen Hirntumore

Dem gegen Madenwürmer eingesetzten Anthelminthikum Mebendazol steht möglicherweise eine Karriere in der Onkologie zuvor. Das geht aus einer Mitteilung des Feinstein Institute for Medical Research in Manhasset im US-Bundesstaat New York hervor. Wie ein Team um Professor Dr. Marc Symons im Journal «Molecular Medicine» informiert, eignet sich das Wurmmittel für die Behandlung von Patienten mit niedriggradigen Gliomen. Diese ZNS-Tumoren entstehen infolge der Entartung von Zelle‎n des Gehirn‎s oder Rückenmark‎s. Obwohl es nur schlecht die Blut-Hirn-Schranke überwindet und es eine dosislimitierende Toxizität aufweist, wird den Wissenschaftlern zufolge häufig das Spindelgift Vincristin in der medikamentösen Therapie der Gliome eingesetzt. «Wir waren sehr überrascht, als wir feststellten, dass Vincristin in unseren Gliom-Modellen komplett ineffektiv war», sagt Symons. Der Grund, weshalb der Mitosehemmer irrtümlicherweise als wirksam bei Hirntumoren gelte, sei, dass es immer in Kombination mit anderen wirksamen Substanzen, etwa Procarbazin und Lomustin, eingesetzt wurde.

 

Im Gegensatz zu Vincristin war das Wurmmittel Mebendazol dagegen gut wirksam, wahrscheinlich, weil es die Blut-Hirn-Schranke überwindet und Tumorzellen damit besser erreichen kann als Vincristin, so Symons. Weitere Untersuchungen seiner Arbeitsgruppe zeigten, dass Mebendazol genauso wie das Vincaalkaloid die Ausbildung von Mikrotubuli hemmt und so die Verteilung der Chromosomen auf die Tochterzellen bei der Zellteilung blockiert, was dann zum Zelltod führt.

 

Diese Ergebnisse und die Tatsache, dass Mebendazol im Vergleich zu Vincristin nur relativ milde Nebenwirkungen hervorruft, führt Symons zu dem Vorhaben, klinische Studien zu starten. In diesen soll der Austausch von Vincristin gegen Mebendazol genauer unter die Lupe genommen werden. Die Forscher glauben, dass das für Gliom-Patienten sowohl lebensverlängernd als auch nebenwirkungsärmer sein könnte. (ss)

 

DOI: 10.2119/molmed.2017.00011

 

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12.04.2017 l PZ

Foto: Fotolia/sudok1