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Kapselherstellung: Kein Kinderspiel

 

Individuell hergestellte Rezepturen sind so gefragt wie noch nie. Allein in Westfalen-Lippe stellten die Apotheken im vergangenen Jahr fast 1,5 Millionen Rezepturen her. Eine besondere Bedeutung hat dabei die Herstellung von Kapseln für Kinder mit Wirkstoffen, für die es keine geeigneten Fertigarzneimittel gibt, beispielsweise Betablocker und Gerinnungshemmer. «Gerade im Herz-Kreislauf-Bereich spielt die Kapselherstellung für Kinder eine große Rolle», so Dr. Holger Reimann (Foto), Leiter des Neuen Rezeptur-Formulariums (NRF®).

 

Für die Herstellung von Kapseln mit niedriger Wirkstoffdosierung hatte Reimann einige Tipps parat. Er empfahl, statt der etablierten volumenbasierten Herstellung, die massenbasierte Mischtechnik zu verwenden, die im DAC/NRF-Kapitel I.9 «Kapseln» erklärt wird. Denn bei der volumenbasierten Methode besteht durch viele Verreibe- und Umfüllvorgänge das Risiko hoher Pulververluste.

 

Beim gravimetrischen Verfahren sollten die Ausgangsstoffe wenn möglich mikronisiert bezogen werden, sonst müssen sie selbst vermahlen werden. Das Mahlen soll getrennt von der Mischung mit dem Füllstoff erfolgen. Als Daumenregel sollte die Schale hierfür maximal zu 5 Prozent gefüllt sein. Wirkstoff und Füllmittel sollten eine möglichst ähnliche Teilchengröße haben, die Schüttdichte des Füllmittels sollte definiert sein. Bei Wirkstoffen und Füllmitteln mit definierten Eigenschaften müssen diese nur noch abgewogen und in einer glatten Schale, am besten aus Edelstahl, gemischt werden.

 

Werden nur geringe Mengen Wirkstoff abgewogen, empfiehlt Reimann das Abwiegen auf farbigen Wägeschälchen, da hier bei weißen Pulvern besser überprüft werden kann, ob das gesamte Pulver überführt wird und nichts im Knick des Kartenblatts hängen bleibt. Da aber immer durch Adhäsion mit einem gewissen Wirkstoffverlust während des Herstellungsprozesses zu rechnen ist, sollte grundsätzlich ein Wirkstoff-Produktionszuschlag von 5 Prozent erfolgen, bei niedriger Dosierung auch bis zu 10 Prozent, insbesondere, wenn die Kapsel nicht geschluckt, sondern das Pulver entleert wird. Reimann empfahl dabei die Verwendung transparenter Kapselhüllen, sodass die vollständige Entleerung visuell überprüft werden kann. (dh)

 

20.03.2017 l PZ

Foto: AKWL/MünsterView