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Lakritz: Zu viel kann Hirnentwicklung von Ungeborenen stören

 

Zu viel Lakritze in der Schwangerschaft kann sich unter Umständen schädlich auf die Hirnentwicklung des Ungeborenen auswirken – mit Folgen, die bis in Teenageralter reichen. Davor warnen finnische Forscher um Professor Katri Räikkönen von der Universität Helsinki im «American Journal of Epidemiology».

 

Jugendliche, deren Mütter während der Schwangerschaft größere Mengen an Lakritz gegessen hatten, schnitten bei Tests zur Denkleistung schlechter ab. Der Unterschied zu anderen Kindern habe bei umgerechnet etwa sieben IQ-Punkten gelegen, so die Forscher. Darüber hinaus meisterten sie Aufgaben, mit denen das Gedächtnis getestet wurde, nicht so gut. Ihren Eltern zufolge hatten sie verglichen mit anderen Jugendlichen auch mehr Probleme, die in Richtung einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) deuteten. Bei Mädchen begann die Pubertät früher und schritt schneller voran.

 

Die Forscher halten es für sinnvoll, Schwangere auf die möglicherweise schädlichen Effekte von Lakritz aufmerksam zu machen. Dank der Ergebnisse aus Tierversuchen kenne man den biologischen Mechanismus, der hinter der Wirkung des Glycyrrhizins, dem süßem Stoff der Süßholzwurzel, stecke. Glycyrrhizin verstärke die Effekte des Stresshormons Cortisol, erläutern sie. Und obwohl das Stresshormon essentiell für die Entwicklung des Fötus sei, könne es in größeren Mengen schaden. Außerdem sei seit langem bekannt, dass Glycyrrhizin den Blutdruck erhöhe und zu kürzeren Schwangerschaften führe. Ernährungsempfehlungen in Finnland stufen Lakritz für Schwangere als «nicht empfehlenswert» ein. Diesen Empfehlungen zufolge ist der gelegentliche Konsum von kleineren Mengen Lakritz-Eis oder ein paar Lakritz-Süßigkeiten vermutlich nicht gefährlich. Das Limit für einen sicheren Konsum kenne man jedoch nicht.

 

In der Studie hatten die Wissenschaftler 378 Jugendliche im Alter von etwa 13 Jahren verglichen, deren Mütter in der Schwangerschaft «große Mengen» oder «kleine oder keine Mengen» Lakritz gegessen hatten. Eine große Menge lag per Definition der Forscher ab einem Verzehr von 500 Milligramm Glycyrrhizin pro Woche vor, was im Durchschnitt 250 Gramm Lakritz entspricht. Eine geringe Menge lag unter 249 Milligramm Glycyrrhizin pro Woche. Diese Grenzen basierten allerdings nicht auf Gesundheitseffekten, sondern wurden nur für diese Studie festgelegt, so die Forscher. (hh)

 

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07.02.2017 l Aponet

Foto: Fotolia/Auraya