Pharmazeutische Zeitung online

Magnesium-Präparate: Oft viel zu hoch dosiert

Einer Stichprobe der Verbraucherzentralen zufolge sind 6 von 10 Magnesium-haltige Nahrungsergänzungsmittel überdosiert. Das teilte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) zum Start des Internetportals www.klartext-nahrungsergaenzung.de mit. Auf der neuen Website will der vzbv unabhängig über Risiken und Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln informieren.

Für ihre Stichprobe hatten die Tester insgesamt 42 Magnesium-haltige Mono- und Kombipräparate gekauft. Sechs Präparate stammten aus Apotheken, 15 aus dem Internet, der Rest aus Supermärkten, Drogerien, Reformhäusern und Fitness-Shops. 27 der 42 Produkte enthielten mehr Magnesium als die vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlene Höchstdosis von 250 Milligramm pro Tag für die zusätzliche Magnesium-Zufuhr. Bei einigen Präparaten könne es daher zu Nebenwirkungen wie Durchfall und Erbrechen kommen; bei sehr hohen Dosen seien Muskelschwäche und Blutdruckabfall möglich, vor allem bei Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion.

Bei den Apothekenpräparaten fiel vor allem Presselin Magnesium Mineral Pulver mit einer vom Hersteller empfohlenen Tagesdosis von 1163 mg Magnesium auf. Nur ein Kombipräparat mit Vitamin E von Ratiopharm enthielt mit 150 mg eine Dosierempfehlung innerhalb der Referenzmenge, alle anderen waren zu hoch dosiert.

Zudem bemängeln die Verbraucherzentralen, dass viele Produkte zusätzliche Vitamine und Mineralien in zu hohen Dosierungen oder ungünstigen Kombinationen enthielten. Zum Beispiel waren in zwölf Produkten Calcium und Magnesium kombiniert oder Zink, Vitamin B6 und Folsäure sehr hoch dosiert. Vor allem Präparate aus dem Internet fielen hier negativ auf. Bei 40 Prozent der im Internet angebotenen Produkte war zudem die Werbung der Anbieter mit nicht zugelassenen Gesundheitsaussagen ein Kritikpunkt.

Ein gesunder Mensch könne seinen Tagesbedarf an Magnesium mit einer ausgewogenen Ernährung problemlos decken, so der vzbv. Der Referenzwert für Frauen ab 25 Jahren liegt bei 300 mg und für Männer bei 350 mg pro Tag. Das schließt Magnesium aus der Nahrung und aus zusätzlichen Quellen ein. «Ein Magnesiummangel mit definierten Symptomen konnte bei gesunden Menschen mit den üblichen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten bisher nicht nachgewiesen werden», so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Bei einigen Erkrankungen wie Diabetes, Asthma oder Alkoholmissbrauch kann eine Magnesium-Substitution sinnvoll sein. Auch können manche Medikamente einen Magnesium-Mangel verursachen, zum Beispiel Diuretika und Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI).

Ob in diesen Fällen eine bestimmte Magnesiumverbindung zu bevorzugen ist, sei nach derzeitiger Studienlage nicht klar, so die Einschätzung der Verbraucherzentralen. Es gebe zwar Hinweise auf eine im Vergleich zu anderen Salzen bessere Bioverfügbarkeit von Magnesiumcitrat, es sei jedoch mehr unabhängige Forschung nötig.

Im Fazit ihres Berichts zum Marktcheck fordern die Verbraucherzentralen unter anderem eine Höchstmengenreglung, mehr Kontrollen bei Gesundheitsversprechen sowie eine behördliche Prüfung auf Wirksamkeit und Sicherheit vor der Markteinführung. Der Hälfte der Verbraucher sei nicht bewusst, dass Nahrungsergänzungsmittel derzeit ohne solche Belege verkauft werden dürfen. (dh)

 

Ergebnis Marktcheck Magnesium der vzbv (externer Link, PDF)

Lesen Sie dazu auch:

PZ-Expertenrat: Schützt Magnesium vor Krämpfen?, PZ 34/2016

 

Mehr zum Thema Vitamine

 

19.01.2017 l PZ

Foto: vzbv