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Legal Highs: Kriminalämter warnen vor Konsum

 

Die Landeskriminalämter von Hessen und Rheinland-Pfalz warnen vor dem Konsum sogenannter Legal Highs, synthetisch hergestellter Designer-Drogen. Die Ware, die in bunten Tütchen als vermeintlich harmlose Kräutermischung im Internet angeboten wird, enthalte hochwirksames Rauschgift, das sogar zum Tod führen könne. Das Landeskriminalamt in Wiesbaden spreche von einer «gefährlichen Entwicklung», so die Nachrichtenagentur dpa.

 

Dem Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden sind Todesfälle aufgrund der Einnahme solcher Kräutermischungen in ganz Deutschland bekannt. BKA-Präsident Holger Münch erklärte, dass sich Legal Highs mehr und mehr in der Rauschgiftszene etablierten. Zittern, Herzrasen, Kreislaufzusammenbruch, Orientierungs- und Bewusstlosigkeit sowie Herzstillstand können die Folgen des Konsums sein.

 

Legal Highs werden als Kräutermischungen, Badesalze oder Lufterfrischer ausgewiesen und im Internet als vermeintlich legale Alternative zu illegalen Drogen angeboten. Viele Hersteller haben sich darauf spezialisiert, die in den Produkten enthaltenen Substanzen chemisch leicht zu verändern. Dann fallen sie nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz. Sie tragen harmlose exotische Namen wie «Bonzai Summer Boost», «Amazonas Vanilla» oder «Jamaican Gold Extreme» und werden meist über Online-Shops verkauft.

 

Legal Highs enthalten meist Betäubungsmittel oder ähnlich wirkende chemische Substanzen, die jedoch auf den Verpackungen nicht ausgewiesen sind. Für die Konsumenten ist der Gebrauch somit unberechenbar. In vielen Mischungen findet man zum Beispiel synthetische Cannabinoide, die an den gleichen Rezeptoren im Gehirn andocken wie der Haschisch-Wirkstoff THC. In Deutschland ist der private Besitz von Legal Highs, solange diese

nicht im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes gelistet sind, nicht strafbar. Sie fallen nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (Juli 2014) auch nicht unter den Arzneimittelbegriff.

 

Im Drogen- und Suchtbericht 2015 der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), sowie im Bericht zu Drogentoten fanden die Rauschmittel bereits besondere Erwähnung. 25 von mehr als 1000 Drogentoten gingen 2014 auf das Konto der Neuen

psychoaktiven Substanzen (NPS), wie Legal Highs klassifiziert werden. Mortler will mit einem Gesetz gegen die Rauschmittel vorgehen. Künftig sollen auch Stoffgruppen statt einzelner Substanzen verboten werden können. Bislang galt ein solches Vorhaben als juristisch heikel. Mortler versprach im Frühjahr, dass das Gesetz noch in diesem Jahr kommt. Das Bundesgesundheitsministerium teilte auf Anfrage der dpa mit, dass noch am Entwurf gearbeitet werde. (ke)

 

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09.11.2015 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/lulu