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Cannabis: Suchtforscher für kontrollierte Abgabe

Beim Deutschen Suchtkongress, der heute in Hamburg endet, hat der Suchtforscher Jens Reimer für eine kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene geworben. Die Risiken seien zu hoch, bei einem Dealer an ein mit Blei oder anderen Streckmitteln verunreinigtes Produkt zu gelangen, sagte Reimer heute. «Im Supermarkt werden bei Wein und Bier doch auch Inhaltsstoffe und Alkoholgehalt angegeben», argumentierte der Präsident des Deutschen Suchtkongresses. Bei der Tagung diskutierten rund 500 Experten seit vergangenem Mittwoch über das Thema Sucht.

 

Reimer, der Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg ist, sieht darüber hinaus weitere Gründen für eine Cannabis-Freigabe. Etwa seien die gesundheitlichen Risiken des Konsums weniger hoch als die des Alkoholkonsums. Ob die Abgabe in Coffeeshops oder Apotheken erfolgen soll, müsse ein Modellversuch zeigen, so Reimer. «Pharmazeuten kennen die Cannabinoide, die bereits medizinisch eingesetzt werden. Die Frage ist nur, wie hoch die Hemmschwelle ist, in die Apotheke zu gehen.» 40 Prozent der 20- bis 49-Jährigen haben laut Reimer bereits mindestens ein Mal in ihrem Leben Marihuana, Haschisch oder andere Produkte mit dem Wirkstoff THC konsumiert.

 

18.09.2015 l dpa

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