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Anaphylaxie: Autoinjektor ist nicht gleich Autoinjektor

 

Das Expertenforum Anaphylaxie spricht sich deutlich gegen Rabattverträge für Adrenalin-Autoinjektoren (AAI) aus. «Diese würden den Apotheker verpflichten, gesetzlich versicherten Patienten den im Rabattvertrag ihrer jeweiligen Kasse festgelegten Injektor anstelle den vom Arzt verordneten auszuhändigen», so Professor Dr. Ludger Klimek aus Wiesbaden, Sprecher des Expertenforums Anaphylaxie, in einer Pressemitteilung. Darin heißt es, dass die meisten in Deutschland erhältlichen AAI sich weder in ihrer Dosierung (0,3 mg für Erwachsene und Jugendliche ab 30 kg Körpergewicht; 0,15 mg für Kinder ab 15 kg Körpergewicht) noch in ihrer Darreichungsform als Injektor und in der Packungsgröße unterscheiden. Zudem seien alle AAI zur Notfallbehandlung einer akuten allergischen Reaktion zugelassen. Damit seien auf den ersten Blick die Voraussetzungen zum Austausch auf der gesetzlichen Grundlage gegeben. «Die Crux ist jedoch, dass sich die AAI hinsichtlich ihrer Funktionsweise und der Nadellänge unterscheiden», erläutert Dr. Lars Lange aus Bonn. Dadurch sei eine produktspezifische Schulung bei der Verordnung erforderlich. «Man stelle sich nun vor, der Patient erhält anstelle seines vertrauten Injektors ein anderes Modell und aufgrund falscher Anwendung gelingt es ihm nicht, seine lebensgefährliche Situation in den Griff zu bekommen», so der Anaphylaxie-Experte. Die Mitglieder des Forums sind sich einig, dass gerade in der Notfallsituation die exakte Handhabung der AAI besonders entscheidend ist. Sie fordern den Gemeinsamen Bundesausschuss sowie die gesetzlichen Krankenversicherer daher auf, die Aut-idem-Regelung für AAI grundsätzlich auszusetzen.

 

Die Beschwerden einer Anaphylaxie, einer potenziell lebensbedrohlichen allergischen Reaktion, können sehr vielgestaltig sein. Beachtenswert ist, dass die Symptome nahtlos von leichten Hauterscheinungen über respiratorische, kardiovaskuläre oder gastrointestinale Beschwerden bis hin zu schwerem Schockgeschehen mit Herz-Kreislauf-Versagen übergehen können. Zur Behandlung der Anaphylaxie empfehlen sowohl nationale als auch internationale Leitlinien die sofortige intramuskuläre Verabreichung von Adrenalin. Deshalb wird Patienten, die bereits eine anaphylaktische Reaktion erlebt haben, ein Adrenalin-Autoinjektor zur sofortigen Selbstinjektion verordnet. (ss)

 

09.07.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Rovagnati