Makuladegeneration: Vitamine oder VEGF-Inhibitoren |

Bei der Therapie der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) muss man zwischen der trockenen und der feuchten Form der Erkrankung unterscheiden. Das betonte Privatdozentin Dr. Ursula Müller-Breitenkamp beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran. Zugelassene Medikamente zur Behandlung der trockenen AMD gibt es bisher nicht. Die Augenärztin aus Meckenheim riet bei Vorliegen dieser Form im intermediären und fortgeschrittenen Stadium zu Nahrungsergänzungsmitteln, die sich an den Inhaltsstoffen und Dosierungen orientieren, welche in der sogenannten ARED-2-Studie (Age-Related Eye Disease Study) einen günstigen Effekt hatten. Das waren 500 mg Vitamin C, 400 I.E. Vitamin E, 10 mg Lutein, 2 mg Zeaxanthin, 25 mg Zinkoxid und 2 mg Kupferoxid. Einige Präparate stünden hierfür auf dem Markt zur Verfügung.
Müller-Breitenkamp verwies darauf, dass auch die Leitlinien diese Nahrungsergänzungsmittel bei trockener, intermediärer AMD empfehlen. Dagegen riet sie von einer prophylaktischen Gabe ab. «Für Omega-3-Fettsäuren konnte kein zusätzlicher protektiver Effekt gefunden werden», sagte die Augenärztin. Bei Rauchern sei die Supplementierung von Betacarotin wegen des Krebsrisikos zu vermeiden.
Bei der feuchten AMD spielten Nahrungsergänzungsmittel nur eine untergeordnete Rolle, so Müller-Breitenkamp. Hier sei ein pathologisches Gefäßwachstum der Dreh-und Angelpunkt. Um neues Gefäßwachstum zu verhindern, werden seit einigen Jahren Inhibitoren des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors (VEGF) eingesetzt. «Das hat die Therapie der feuchten AMD revolutionär verändert», betonte die Referentin. Zu den Anti-VEGF-Substanzen zählen Pegaptinib (Macugen®), Ranibizumab (Lucentis®) und Aflibercept (Eylea®). Sie sind zur Therapie der feuchten AMD zugelassen. In Vergleichsstudien konnte der Referentin zufolge auch Bevacizumab (Avastin®) seine Wirksamkeit belegen. Der Einsatz des bei verschiedenen Krebsarten zugelassenen Antikörpers erfolgt aber weiterhin off Label.
Die genannten Substanzen werden unter streng aseptischen Bedingungen direkt in den Glaskörper des Auges injiziert. Eine einmalige Anwendung reicht nicht. Wie Müller-Breitenkamp informierte, erhalten die Patienten in der Regel drei Spritzen im Abstand von jeweils vier Wochen und werden dann regelmäßig nachbeobachtet. Der Arzt entscheidet, ob und wann die Therapie wieder aufgenommen wird. Die photodynamische Therapie spiele heute keine wichtige Rolle mehr. (ss)
02.06.2015 l PZ
Foto: PZ/Alois Müller