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Herzinfarktrisiko: Protonenpumpenhemmer unter Verdacht

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Patienten könnten unter der Therapie mit Protonenpumpenhemmern (PPI) häufiger einen Herzinfarkt erleiden als jene, die andere Antazida einnehmen – auch ohne kardiovaskuläre Vorerkrankung. Das zumindest legen die Ergebnisse einer umfangreichen Analyse von Patientendaten nahe, die kürzlich im Fachblatt «PLoS ONE» veröffentlicht wurden.

 

Frühere Studien hatten zeigen können, dass PPI das Endothel der Blutgefäße angreifen. Schon damals war der Verdacht aufgekommen, dass PPI dadurch das Herzinfarktrisiko erhöhen könnten. Um diese Hypothese zu untermauern, haben US-Forscher unter Nigam Shah von der Universität Stanford die Gesundheitsdaten von rund 2,9 Millionen Menschen analysiert. Es fanden sich insgesamt knapp 300.000 Erwachsene, die wegen Sodbrennens behandelt worden waren. Die Forscher konnten zeigen, dass diejenigen, die PPI wie Omeprazol, Lansoprazol oder Pantoprazol gegen ihre Beschwerden eingenommen hatten, ein deutlich höheres Risiko hatten einen späteren Herzinfarkt zu erleiden als diejenigen, die mit H2-Blockern wie Cimetidin, Ranitidin oder Nizatidin behandelt wurden. Je nach statistischer Methode lag die Risikoerhöhung bei 16 bis 21 Prozent – und das auch bei ansonsten gesunden Patienten unter 45 Jahren.

Vor allem aufgrund der Tatsache, dass die Daten von so vielen Menschen ausgewertet werden konnten, PPI zu den meist verordneten Arzneimitteln weltweit gehören und zum Teil auch frei verkäuflich sind, sollten die Bedenken der Forscher ernst genommen werden. Allerdings, so die Forscher, sei es wünschenswert, dass diese vorläufigen Erkenntnisse in einer weiteren großen klinischen Studie bestätigt würden.
 
PPI sind schon einmal bezüglich kardiovaskulärer Komplikationen in Verdacht geraten – allerdings bei Anwendung an Patienten, die wegen KHK das Blutverdünnungsmittel Clopidogrel einnahmen. Dafür wurde allerdings eine Wechselwirkung verantwortlich gemacht: Einige PPI, vor allem Omeprazol und Esomeprazol, hemmen CYP2C9, das Enzym, das das Prodrug Clopidogrel in den aktiven Metaboliten überführt. Es ist daher zu erwarten, dass die Gabe von Arzneimitteln, die die Aktivität dieses Enzyms hemmen, zu einem erniedrigten Spiegel des aktiven Metaboliten von Clopidogrel führt. Die neue Studie konnte jetzt zeigen, dass möglicherweise auch herzgesunde Menschen durch Gabe von PPI gefährdet sind. (rt)

DOI: 10.1371/journal.pone.0124653

 

12.06.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Franz Pfluegl