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Durchfall: Loperamid-Einsatz nach neuer Leitlinie

 

Bei unkomplizierter Diarrhö kann laut neuer S2k-Leitlinie zum Thema Gastroenteritis Loperamid kurzzeitig eingesetzt werden, explizit empfohlen wird es jedoch nicht. Dabei sind die Kontraindikationen aus den Fachinformationen zu beachten: Bei Dysenterie (Diarrhö mit blutigem Stuhl und/oder Fieber) oder einer bakteriellen Enterocolitis durch Salmonellen, Shigellen, Campylobacter, Entamoeba ssp. oder Clostridium difficile darf es nicht eingenommen werden, ebenso wenig bei Darmverschluss (Ileus) oder (toxischem) Megakolon, einer massiven Erweiterung des Dickdarms. Kontraindiziert ist Loperamid außerdem bei Durchfall während oder nach einer Antibiotikatherapie (pseudomembranöse Colitis). Grundsätzlich darf bei schwerem Krankheitsbild keine motilitätshemmende Therapie durchgeführt werden.

Laut Zulassung dürfen in der Selbstmedikation Patienten ab zwölf Jahre Loperamid über zwei Tage einnehmen. Besteht der Durchfall dann immer noch, ist ein Arzt aufzusuchen. Alternativ kann laut Leitlinie Racecadotril eingesetzt werden. Dieser Wirkstoff beeinflusst - im Gegensatz zu Loperamid - die Darmmotilität nicht. Racecadotril reduziert die Hypersekretion des Darms bei akutem Durchfall, vermittelt über eine Enkephalinasehemmung. Für andere Antidiarrhoika wie pflanzliche Substanzen (Uzara-Wurzel, getrocknetes Apfelpulver), Siliciumdioxid, Tannin, Kohle oder Myrrhe liegen laut Leitlinien-Autoren keine kontrollierten Studien vor, sodass diese Mittel nicht empfohlen werden.


Die wichtigste Empfehlung ist weiterhin eine ausreichende Flüssigkeitssubstitution, am besten mit einer Glucose-basierten Elektrolytlösung wie der WHO-Trinklösung. Diese hat folgende Zusammensetzung: Glucose 13,5 g/L, Natriumchlorid 2,6 g/L, Kaliumchlorid 1,5 g/L und Natriumcitrat 2,9 g/L. Sie sollte nicht mit anderen Getränken wie Milch oder Limonade verabreicht werden und ist anderen Zubereitungen wie gesüßtem Tee in Kombination mit Salzgebäck oder mit Zucker und Salz angereicherter Fruchtsaftverdünnung vorzuziehen. Als ungeeignet betrachtet die Leitlinie reine Fruchtsäfte, Leitungswasser und Limonade, da sie entweder zu viel Zucker oder zu wenige beziehungsweise im falschen Verhältnis Elektrolyte enthält. Die  Rehydrierung sollte, außer in schweren Fällen, oral und nicht intravenös erfolgen. (dh)

Leitlinie Gastroenteritis und Morbus Whipple (externer Link)

 

05.06.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Firma V