Pharmazeutische Zeitung online

Sodbrennen: Medikamente können sauer aufstoßen

Datenschutz bei der PZ

Leiden Patienten häufig unter Sodbrennen oder saurem Aufstoßen, lohnt sich ein Blick auf ihre Medikation. Denn einige Arzneistoffe können den unangenehmen Rückfluss von Magensäure auslösen oder verstärken, etwa indem sie zu einer Entspannung des unteren Schließmuskels der Speiseröhre führen. Dazu gehören Calcium-Antagonisten, Nitropräparate, Anticholinergika, β-Agonisten, Benzodiazepine, Pfefferminz-haltige Zubereitungen und Estrogen-Präparate zur postmenopausalen Hormontherapie sowie Theo- und Aminophyllin. Im Fall eines refluxbedingten Asthmas kann daher die Einnahme eines Xanthins die Beschwerden verstärken. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten in der aktualisierten Leitlinie «Gastroösophageale Refluxkrankheit» hin.

 

Auch Acetylsalicylsäure und andere nicht steroidale Antirheumatika, Bisphosphonate, Doxycyclin, Eisensulfat und Vitamin C können am Sodbrennen schuld sein. Sie führen lokal zu einer Entzündung der Speiseröhre, die vom Tonus des Schließmuskels unabhängig ist. Bei Krebspatienten kommt zudem eine Zytostatika-Therapie als mögliche Ursache in Betracht.

 

Sodbrennen und saures Aufstoßen sind nicht nur lästig, sondern können auch Krankheitswert erreichen. «Die Erkrankung sollte behandelt werden, wenn die Symptome ein- bis zweimal in der Woche auftreten und der Patient sich dadurch in seiner Lebensqualität beeinträchtigt fühlt», sagt Leitlinienkoordinator Professor Dr. Wolfgang Schepp vom Münchner Klinikum Bogenhausen. Mittel der Wahl sind Protonenpumpen-Hemmer. Unbehandelt besteht die Gefahr, dass sich das Gewebe der Speiseröhre mit der Zeit verändert und ein sogenannter Barrett-Ösophagus entsteht, der als Krebsvorstufe gilt.

 

Darüber hinaus sind Veränderungen des Lebensstils empfehlenswert, zum Beispiel Abnehmen bei Übergewicht und ein Hochstellen des oberen Bettendes sowie der Verzicht auf späte Mahlzeiten bei nächtlichen Beschwerden. «Wer bestimmte Nahrungsmittel und Getränke nicht verträgt, kann versuchen, darauf zu verzichten», rät Schepp. Allerdings ist die generelle Wirkung flankierender Maßnahmen, wie Rauchstopp, Reduktion des Alkoholkonsums, Verzicht auf Schokolade, Kaffee, scharfe Speisen, Zitrusfrüchte, fette Speisen oder kohlensäurehaltige Getränke, laut Leitlinie nicht belegt. (am)

 

15.01.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Marin Conic