Insulinpens: Ist die Luft raus? |

Beim Spritzen von Insulin kann so einiges schief laufen. Das wurde im Vortrag von Dr. Eric Martin beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming deutlich. Beispielweise kann es passieren, dass Diabetiker die falsche Spritzstelle auswählen. Ein langwirksames Insulin sollte in den Oberschenkel oder ins Gesäß, ein schnell wirksames in die Bauchdecke injiziert werden. «Viele Patienten lassen die Injektionsstellen nicht rotieren», nannte Martin einen weiteren häufigen Fehler. Als Folge davon können Lipodystrophien auftreten, die den Zeitpunkt der Insulinfreisetzung dann zur Lotterie machen. Dem Apotheker aus Marktheidenfeld zufolge sollten Patienten daher selbst ihre Spritzorte inspizieren. Aber auch Ärzte sollten dies regelmäßig bei ihren Patienten tun.
«Häufig kommen noch viel zu lange Kanülen zum Einsatz», fuhr der Referent fort. So sollten Kinder 4, 5 oder 6 mm-lange Kanülen verwenden und Erwachsene 4, 5, 6 oder 8 mm-lange Kanülen. Der nächste mögliche Fehler: Die Kanüle verweilt oft nicht lange genug im Subkutangewebe. «Mindestens 10 Sekunden sollte die Verweilzeit dort betragen», informierte Martin.
Nach wie vor werden Kanülen häufig mehrfach verwendet. Das kann zur stärkeren Traumatisierung der Haut führen. Zudem begünstigt es das Auftreten von Luftblasen in der Insulinpatrone. Apropos Luftblasen: Diese bilden ein weiteres Problem. «Um Unterdosierungen zu vermeiden, sollten Diabetiker vor der Injektion mögliche Luftblasen aus der Patrone entweichen lassen», so Martin. Am besten ist natürlich, dass sich gar nicht erst Luftblasen bilden. Neue Insulinpatronen aus dem Kühlschrank sollte man daher auch zunächst auf Raumtemperatur bringen, bevor man eine Kanüle aufschraubt. Denn: Bei einer Kühlschrank-kalten Patrone hat man sofort Luft in der Patrone, wenn man eine Kanüle auf sie aufschraubt, so Martin.
Um Fehlerquellen auszuschalten, forderte der Referent, die Patienten zu schulen. «Ein regelmäßiges Monitoring sichert die Nachhaltigkeit der Schulung», fügte Martin hinzu. Beispielsweise könnten Apotheken eine Wartung des Insulinpens anbieten. Dabei bestünde dann in der Apotheke die Möglichkeit, zu überprüfen, ob der Patient bei der Handhabung des Pens und der Insulin-Injektion alles richtig macht. «Probleme sollten dann vom pharmazeutischen Personal angesprochen und gemeinsam mit dem Patienten gelöst werden», so Martin.
Zu guter Letzt warnte der Apotheker davor, eine indizierte Insulintherapie zu lange hinauszuzögern. Denn die Schulbarkeit der Patienten werde mit zunehmendem Alter und infolge des Fortschreitens der Erkrankung sowie möglicher Folgekomplikationen immer schlechter. So träten später zum Beispiel immer mehr ergonomische und visuelle Probleme auf, die sich negativ auf die Handhabung der Insulininjektion auswirken können. (ss)
Mehr zum Thema Diabetes
22.01.2015 l PZ
Foto: PZ/Alois Müller