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Urtikaria: Penicillin meist zu Unrecht verdächtigt

 

Auslöser einer Urtikaria (Nesselsucht) sind meist Infektionen und nicht die deshalb eingesetzten und häufig zu Unrecht verdächtigten Antibiotika wie Penicillin. Darauf weist das Urtikaria-Netzwerk anlässlich des ersten Welt-Urtikaria-Tags am 1. Oktober hin. Bei der akuten Urtikaria bildet sich spontan ein juckender, rötlicher Hautausschlag mit Quaddeln, wie sie auch nach dem Kontakt mit Brennnesseln auftreten. Für die Quaddelbildung ist die Degranulation von Mastzellen in der Haut verantwortlich, die auf unterschiedlichste Reize zurückgeht, sagte Privatdozentin Dr. Petra Staubach von der Haut- und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Neben immunologischen Mechanismen können dies eine Komplementaktivierung, Zytokine, nervale Einflüsse sowie direkte Hinstaminliberatoren oder physikalische Reize sein.

 

»Der häufigste Auslöser einer Urtikaria sind Infektionen«, erklärt Staubach. »Auch solche, die keine Symptome verursachen, zum Beispiel Helicobacter-pylori-Infektionen.« Urtikaria könne aber auch auf HNO-Infekte, entzündete Zähne oder Magen-Darm-Infektionen zurückgehen. Bei der Ursachensuche werde jedoch statt der Infektion häufig das Antibiotikum verantwortlich gemacht. Prinzipiell könne zwar jedes Medikament eine Nesselsucht auslösen, Antibiotika täten dies aber selten. Deutlich häufiger dagegen können nicht steroidale Antirheumatika wie Diclofenac zu Hautreaktionen führen.

Nesselsucht ist ein häufiges Krankheitsbild: Jeder Vierte ist im Laufe des Lebens einmal von einer Urtikaria betroffen. In der Regel klingen die Beschwerden nach wenigen Tagen von allein wieder ab. Deshalb wird die akute Form der Urtikaria auch nur symptomatisch behandelt. Zum Einsatz sollten hier Antihistaminika der zweiten Generation kommen, so Staubach. Cortison sollte, wenn überhaupt, nur als Stoßtherapie eingesetzt werden, also hoch dosiert für nicht länger als eine Woche. Bei der akuten Form ist eine aufwendige Ursachensuche und umfangreiche Diagnostik nicht notwendig.

Bei vielen Betroffenen aber wird die Krankheit chronisch. Allein in Deutschland leiden etwa eine Million Menschen unter chronischer Urtikaria. Frauen sind etwa doppelt so oft betroffen. Eine chronische Nesselsucht ist mit einer erheblichen psychischen Belastung und starkem Leidensdruck verbunden, der häufig unterschätzt wird. Darauf will der Welt-Urtikaria-Tag aufmerksam machen, der dieses Jahr erstmals stattfindet. Weitere Informationen sind auf der Website www.urticariaday.org (externer Link) , beim Urtikaria-Netzwerk unter www.urtikaria.net (externer Link) oder beim Deutschen Allergie- und Asthmabund unter www.daab.de (externer Link) zu erhalten. (ch)

 

01.10.2014 l PZ

Foto: Fotolia/perfectmatch