Klistiere bei Kindern: Kontraindikationen beachten! |

Säuglinge und Kinder unter sechs Jahren dürfen keine Phosphat-haltigen Klistiere erhalten. Ein entsprechender Hinweis findet sich im Beipackzettel; dennoch werden Präparate wie Klistier® oder Klysma® offenbar hin und wieder in dieser Altersgruppe eingesetzt. Wenn die Klistierlösung zu lange im Darm verbleibt, kann das zu einer lebensbedrohlichen Elektrolyt-Entgleisung führen. Darauf weist jetzt die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) hin.
Anlass der aktuellen AkdÄ-Warnung sind die Fallmeldungen zweier sechseinhalb Monate alter Kinder, die wegen anhaltender Obstipation von den behandelnden Ärzten Phosphat-haltige Klistiere verabreicht bekamen. Bei beiden Kindern verblieb die Lösung aufgrund anatomischer Veränderungen im Darm und es kam zu Elektrolyt-Verschiebungen, die das Mädchen nicht und der Junge nur durch eine Notoperation und -dialyse überlebte.
Wird eine Phosphat-haltige Klistierlösung nicht rasch wieder ausgeschieden, kommt es durch die osmotische Wirkung zu einem vermehrten Wassereinstrom in den Darm und infolgedessen zu einer Dehydratation. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass die Phosphatsalze resorbiert werden, was schwere Hypernatriämien und Hyperphosphatämien zur Folge hat. Als Alternativen zur Behandlung der Obstipation bei Säuglingen und Kleinkindern nennt die AkdÄ Glycerol-haltige Zäpfchen (zum Beispiel Glycilax®) und Rektallösungen mit Natriumcitrat und Sorbitol (zum Beispiel Microlax®). (am)
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10.10.2014 l PZ
Foto: Fotolia/Johann35