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Getestet: Pestizide und Alkaloide in konventionellen Tees

Stiftung Warentest und Ökotest berichten in ihren aktuellen Ausgaben über Pflanzenschutzmittel und Pyrrolizidinalkaloide in Tees. Während Stiftung Warentest schwarze Tees unter die Lupe nahm, ließ Ökotest Kräutertees analysieren. Apothekenware war nicht darunter. Dabei kamen die meisten Tees nicht gut weg: In allen 15 von Ökotest analysierten konventionell angebauten Tees (Kamille, Pfefferminze oder Kräutermischungen) war mindestens ein Pestizid in erhöhten Konzentrationen zu finden. In vielen Produkten fanden sich sogar mehrere Pflanzenschutzmittel, teils in stark erhöhten Dosen – darunter auch ein Bestandteil des aus dem Vietnamkrieg bekannten Entlaubungsmittels  Agent Orange.

Bei vielen der konventionellen Tees fanden die Tester zudem die potenziell krebserregenden und leberschädigenden Pyrrolizidinalkaloide in Dosen, die zum Teil deutlich über dem Tagestoleranzwert lagen. Diesen Wert ermittelte Ökotest auf Basis der vorläufigen Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung, das als maximale Tageszufuhr 0,007 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht nennt. Einen offiziellen Grenzwert gibt es allerdings bislang noch nicht. Pyrrolizidinalkaloide gehen vermutlich vollständig in den Aufguss über.

Die acht getesteten Bio-Tees waren frei von Pyrrolizidinalkaloiden. Manche der Ökoprodukte enthielten allerdings auch Spuren von Pestiziden. Ökotest rät zum Kauf von Bioprodukten, ohne die streng kontrollierten Apotheken-Arzneitees zu erwähnen.

Stiftung Warentest untersuchte 27 schwarze Tees, davon acht Ceylon-Assam-Mischungen und 19 Darjeelings. Sechs Tees waren Bioprodukte, die frei von Pestiziden waren. Bei 20 Tees lagen die Pestizid-Gehalte weit unter den zulässigen Höchstgrenzen. In allen Tees entdeckten die Tester jedoch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die Krebs erzeugen können. Sie entstehen  vermutlich bei der Verarbeitung. Zwar gibt es keinen Grenzwert, die täglich aufgenommene Menge sollte jedoch so niedrig wie möglich sein, rät Stiftung Warentest. Da PAK schwer wasserlöslich sind, gelangen sie kaum in den Aufguss. Gleiches gilt für die in 15 Proben enthaltenden Mineralölbestandteile.

Auch das potenziell krebserregende Anthrachinon fand Stiftung Warentest in allen Schwarztee-Produkten – 6 bis 76 Mikrogramm je Kilogramm getrocknete Teeblätter. Nach einem EU-Verordnungsentwurf dürfen in Zukunft jedoch nur 20 Mikrogramm enthalten sein. Anthrachinon könnte durch die Verbrennungsprozesse bei der Teetrocknung entstehen. Laut Laborversuchen geht rund ein Drittel des Anthrachinons in den Aufguss über.

In einem schwarzen Tee fanden die Tester zudem Pyrrolizidinalkaloide. Die Sekundärstoffe sind normalerweise weder in der Teepflanze noch in Kamille und Pfefferminze zu finden. Sie gelangen häufig über Unkraut wie Jakobskreuzkraut, das zwischen den angebauten Kräutern wächst, in die Tees. (db)

 

27.10.2014 l PZ

Foto: Stiftung Warentest