Spinalkanalstenose: Cortison-Spritzen ohne Zusatznutzen |
Zwar bessern sich die Symptome einer Spinalkanalstenose nach epiduraler Infiltration eines Corticosteroids in Kombination mit Lidocain – mit einer alleinigen Lidocain-Injektion erzielt man aber die gleiche Wirkung, so das Fazit einer Studie, die kürzlich im «New England Journal of Medicine» (NEJM) veröffentlicht wurde.
Eine Einengung des Spinalkanals im Rücken kann durch degenerative, traumatische, entzündliche oder neoplastische Erkrankungen entstehen, was zur Kompression des Rückenmarks oder von Spinalnerven führt. Die Symptome der Spinalkanalstenose können vielfältig sein und sich in lokalen und peripher lokalisierten Beschwerden äußern wie Lumbalgie und Ischialgie, aber auch als neurologische Ausfallserscheinungen wie Paresen und Sensibilitätsstörungen. Zudem können vegetative Funktionsstörungen wie Entleerungsstörungen der Blase mit Harnverhalt, Urin- oder Stuhlinkontinenz und Impotenz auftreten.
Wird eine degenerative Verengung des Wirbelkanals diagnostiziert, greift der Arzt oft zur Cortison-Spritze. Das Corticoid soll, so die gängige Meinung, die Schmerzen lindern, indem es abschwellend und entzündungshemmend wirkt und so die komprimierten Spinalnerven entlastet. Die jetzt vorliegende multizentrische, randomisierte Doppelblindstudie, an der 400 Patienten mit degenerativ bedingter Spinalstenose der Lendenwirbelsäule teilnahmen, zeigt jedoch, dass bei der Behandlung von Spinalstenosen die epidurale Injektion von Glucocorticoiden plus Lidocain einen allenfalls minimalen, kurzfristigen Vorteil gegenüber einer alleinigen Lidocain-Injektion hat. Dabei gab es keinen Unterschied, ob Lidocain oder Lidocain plus Corticoid transforaminal (durch den Nervenaustrittskanal der Wirbelsäule) oder interlaminär verabreicht wurde. Nach sechs Wochen hatten sich die Beschwerden in beiden Gruppen vergleichbar gebessert.
Wie nicht anders zu erwarten, wurden unerwünschte Wirkungen in der Corticosteroid-/Lidocain-Gruppe häufiger registriert als in der Lidocain-Gruppe (29 Prozent versus 17 Prozent). Das spricht dafür, Corticosteroid-Injektionen bei Spinalstenosen nur sehr zurückhaltend einzusetzen, da aufgrund der derzeitigen Erkenntnislage mit einem klinisch signifikanten Nutzen nicht zu rechnen ist, Komplikationen aber nicht auszuschließen sind. (rt)
doi: 10.1056/NEJMoa1313265
09.07.2014 l PZ
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