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Pille danach: Wirkung unabhängig vom Gewicht

 

Erhöhtes Körpergewicht hat keinen Einfluss auf die Wirksamkeit der «Pille danach». Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der europäischen Arzneimittelagentur EMA zur Notfall-Kontrazeption mit Levonorgestrel oder Ulipristalacetat. Damit gibt die Behörde Entwarnung, denn vergangenes Jahr gab es Meldungen, nachdem die Wirkung der «Pille danach» mit steigendem Körpergewicht deutlich abnimmt und unter Umständen sogar komplett versagen kann. Fazit der EMA: Die Notfall-Kontrazeptiva können weiterhin auch an Frauen mit Übergewicht abgegeben werden.


Aufgekommen war der Verdacht der körpergewichtsabhängigen Wirkungsabnahme durch zwei klinische Studien mit dem Levonorgestrel-haltigen Notfall-Kontrazeptivum Norlevo®. Das Präparat ist in Deutschland nicht verfügbar, hat aber die gleiche Zusammensetzung wie das hier erhältliche PiDaNa®. Es hatte sich gezeigt, dass mit steigendem Körpergewicht (ab 75 kg) die kontrazeptive Wirkung nicht mehr zuverlässig war, bei Frauen ab 80 kg sei die Wirkung sogar ganz ausgeblieben. Ein entsprechender Warnhinweis war daraufhin in die Produktinformation von Norlevo aufgenommen worden. Eine EU-weite Bewertung weiterer Studien durch die EMA sollte daraufhin abklären, ob ähnliche Warnhinweise auch in die Produktinformationen anderer Levonorgestrel-haltiger Notfall-Kontrazeptiva aufgenommen werden sollten. Darüber hinaus gab es Überlegungen, diese Maßnahme auf ellaOne® auszudehnen, ein Notfall-Verhütungsmittel mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat. Auch hier bestand der Verdacht, dass das Körpergewicht Einfluss auf die Wirksamkeit haben könnte.


Nachdem der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) jedoch alle verfügbaren Daten zu den beiden Arzneistoffen ausgewertet hatte, kam er zu dem Schluss, dass aufgrund der aktuellen Studienlage eine Einschränkung für Levonorgestrel- udn Ulipristal-haltigen Präparate nicht gerechtfertigt sei. Die derzeitigen Gewichtseinschränkungen in der Packungsbeilage von Norlevo sollen entfernt werden. Die Ergebnisse der maßgeblichen entlastenden Studien sollen jetzt in die Produktinformationen aufgenommen werden.


Beide Wirkstoffe unterdrücken die Ovulation und verhindern somit eine Befruchtung. Sie müssen innerhalb kurzer Zeit nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder im Fall des Versagens einer Kontrazeptionsmethode eingenommen werden: Bei Levonorgestrel beträgt die Spanne 72 Stunden, bei Ulipristalacetat bis zu 120 Stunden. Um eine größtmögliche kontrazeptive Sicherheit zu gewährleisten, sollte laut CHMP die Einnahme immer so schnell wie möglich erfolgen. Zudem sollten die die Frauen daran erinnert werden, dass die Notfall-Kontrazeptiva nur im Einzelfall zum Einsatz kommen sollten, da sie nicht so zuverlässig wirken wie reguläre Verhütungsmethoden. Eine endgültige Entscheidung über diese Empfehlungen wird die Europäische Kommission treffen.
 
Während die Levonorgestrel-haltigen Notfall-Kontrazeptiva im Gegensatz zu Deutschland in mehreren europäischen Ländern als OTC-Produkte in Apotheken verfügbar sind, ist Ulipristalacetat derzeit EU-weit nur mit einer ärztlichen Verschreibung erhältlich. Der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht hatte empfohlen, Levonorgestrel-haltige Notfall-Kontrazeptiva auch ohne Rezept verfügbar zu machen bei entsprechend sorgfältiger Beratung durch einen Apotheker. Bislang gab es für diese Sichtweise keine politische Mehrheit. (rt)

 

25.07.2014 l PZ

Foto: Fotolia/Fotosav