NRW: Land soll wieder Schulgeld für PTA zahlen |
Das Bundesland Nordrhein-Westfalen muss sich dringend wieder an der Ausbildungsfinanzierung pharmazeutisch-technischer Assistenten beteiligen, fordert die Apothekerkammer Westfalen-Lippe. Anlass des Appells ist die Schließung der PTA-Schule in Hagen zum Beginn der Sommerferien am vergangenen Wochenende in NRW. «Noch ist es Zeit, die aus unserer Sicht unverantwortliche Entscheidung, sich aus der Förderung der PTA-Schulen zu verabschieden, zu korrigieren», sagte Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening. Zwar sind mit Minden, Krefeld und jetzt Hagen bereits drei PTA-Schulen in NRW den Einsparungen des Landesgesundheitsministeriums zum Opfer gefallen. Das soll jedoch nicht auch noch den verbliebenen 14 Ausbildungsstätten in NRW passieren.
Jahrzehntelang hatte sich das Bundesland freiwillig mit zuletzt 73 Euro pro Monat für jeden Schüler an den Ausbildungskosten beteiligt. Das entsprach bei landesweit rund 1900 Schülern circa 1,4 Millionen Euro pro Jahr. Die angehenden PTA müssen nun mit Gebühren von bis zu 400 Euro im Monat rechnen. Das steht aus Sicht der Kammer im krassen Gegensatz zum Wahlversprechen der rot-grünen Landesregierung, eine kostenfreie Ausbildung von der Kita bis zur Uni zu ermöglichen. Es sei schlichtweg nicht vermittelbar, dass angehende Apotheker an der Universität kostenlos studieren könnten, die Assistenten für ihre Ausbildung jedoch tief in die Tasche greifen müssten, so Overwiening.
Gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung äußerte die Kammer die Sorge vor einer Abwärtsspirale für die verbleibenden PTA-Schulen: Ein höherer Eigenanteil am Schulgeld führe zu geringeren Bewerberzahlen. Die damit verminderte Auslastung der Schulen würde zu noch weniger Einnahmen führen, was wiederum noch höhere Schulgelder erforderlich machen würde. Die Apotheker fürchten, nicht mehr genügend Fachkräfte zu finden.
In Hessen ist die Situation ähnlich. Auch hier hatte das Land die Fördergelder gestrichen. Die PTA-Schule in Kassel muss als erste voraussichtlich im Sommer 2017 schließen.
In Hagen absolvierten rund 1500 PTA seit 1970 ihre zweieinhalbjährige Schulausbildung, darunter mehr als 95 Prozent junge Frauen und viele mit Migrationshintergrund. Fast alle haben nach Angaben der Kammer anschließend einen wohnortnahen Arbeitsplatz gefunden. (db)
11.07.2014 l PZ
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