Alzheimer: Hoffnung liegt auf Immunotherapien |
Angesichts der steigenden Zahl von Alzheimer-Patienten setzen Ärzte und Wissenschaftler auf Immunotherapien. «Wenn es gut läuft, gibt es in etwa zwei Jahren zugelassene Antikörpertherapien», sagte der Münchener Psychiater Timo Grimmer der Nachrichtenagentur dpa anlässlich des 150. Geburtstags von Alois Alzheimer, dem Erstbeschreiber der Erkrankung, am 14. Juni. Das Fernziel seien passive Immunisierungen. Antikörper sollen Ablagerungen von Stoffwechselprodukten im Gehirn abbauen oder verhindern. Derzeit können nur erste Demenzerscheinungen bei frühzeitiger Diagnose mit Medikamenten gelindert werden.
Tatsächlich kämen Betroffene mittlerweile viel früher in die Sprechstunde, berichtet Grimmer, der die Gedächtnisambulanz an der Psychiatrischen Klinik der TU München leitet. «Es gibt in der Gesellschaft ein zunehmendes Bewusstsein durch die Angst, dass der Lebensabend durch eine Alzheimer-Krankheit getrübt sein könnte. Das führt dazu, dass leichter erkrankte Menschen zu uns kommen, die noch gar nicht das Stadium der Demenz erreicht haben.» Gerade bei diesen können Antidementiva die Hirnzellen stimulieren, sodass der Gedächtnisverlust erst einmal nicht so stark spürbar ist. Doch irgendwann holt die Krankheit die Menschen ein.
Die Experten sorgen sich vor allem, wer in Zukunft die Pflege der Demenzkranken leisten und wer sie bezahlen soll. Von einem bestimmten Punkt an brauchen Betroffene Betreuung rund um die Uhr. Bis 2050 könnten der Prognose der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zufolge drei Millionen Menschen in Deutschland an Demenz erkrankt sein, gut doppelt so viele wie heute. «Das ist der entscheidende Punkt, warum es so wichtig ist, dass die Medizin vorankommt: Eine Volkskrankheit, die Millionen betrifft, lässt sich irgendwann nicht mehr beherrschen. Erfreulicherweise kümmern sich in den meisten Fällen die Angehörigen, die Partner oder die Kinder.» Doch in einer zunehmend individualisierten Gesellschaft sei mehr denn je die Gemeinschaft gefragt. Jeder müsse künftig mehr Verantwortung übernehmen.
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13.06.2014 l dpa
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