USA: Neuer Antikörper gegen Darmerkrankungen |

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den monoklonalen Antikörper Vedolizumab zur Behandlung erwachsener Patienten mit moderater bis schwerer Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn zugelassen. Vedolizumab soll zum Einsatz kommen, wenn eine oder mehrere Standardtherapien wie Corticosteroide, Immunmodulatoren oder Tumornekrose-Faktor-Hemmer versagt haben oder unverträglich waren. In der EU hat der entsprechende Ausschuss der europäischen Arzneimittelagentur EMA Vedolizumab Mitte März zur Zulassung empfohlen. Eine Entscheidung wird die EU-Kommission in nächster Zeit fällen.
Wie auch die bereits verfügbaren Medikamente kann Vedolizumab (Entyvio® von Takeda) keine Heilung der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen bewirken, soll aber Symptome wie Durchfall und Blutungen lindern. Der Antikörper wird intravenös über 30 Minuten infundiert, zu Therapiebeginn, in Woche 2 und Woche 6 und im Anschluss alle acht Wochen. In insgesamt fünf klinischen Studien mit rund 2400 Colitis-ulcerosa- und Morbus-Crohn-Patienten konnte der Arzneistoff das klinische Bild gegenüber Placebo verbessern und führte zu einer Remission.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehörten Kopf- und Gelenkschmerzen, Übelkeit und Fieber. Die schwerwiegendsten unerwünschten Wirkungen waren schwere Infekte, Hypersensibilität und infusionsbedingte Reaktionen sowie Hepatotoxizität.
Vedolizumab ist ein Integrin-Rezeptorantagonist und richtet sich gegen a4ß7-Integrin. Dieses Protein wird auf der Oberfläche von im Blut zirkulierenden Lymphozyten exprimiert und ermöglicht den Abwehrzellen die Einwanderung durch die Wände von Blutgefäßen in andere Gewebe wie den Darm. Damit verhindert Vedolizumab, dass Abwehrzellen vermehrt an Entzündungsherde gelangen, dämpft also die Immunreaktion.
Auch der Multiple-Sklerose-Wirkstoff Natalizumab (Tysabri® von Biogen Idec) richtet sich gegen ein ähnliches Integrin, das a4ß1-Integrin. Unter diesem Wirkstoff kam es in seltenen Fällen bei immunsupprimierten Patienten zu einem opportunistischen Infekt des Gehirns, einer progressiven multifokalen Leukoenzephalopathie (PML), die häufig tödlich endet. In den klinischen Studien mit Vedolizumab wurden die Patienten engmaschig auf neurologische Symptome überwacht, eine PML trat unter Studienbedingungen jedoch nicht auf. Ein geringes Risiko könnte jedoch bestehen. (db)
21.05.2014 l PZ
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