Adipositas-OP: Folgen für Hormonhaushalt und Darmflora |

Für viele adipöse Menschen ist eine Magenverkleinerung die einzige Möglichkeit, auf Dauer deutlich an Gewicht zu verlieren. Die sogenannte bariatrische Operation führt zu einer Reihe von Stoffwechselveränderungen und hat auch positive Folgen für den Hormonhaushalt und die Darmflora. Dieses Fazit zog Professor Dr. Matthias Blüher vom Universitätsklinikum Leipzig auf einer Pressekonferenz im Rahmen des 57. Symposiums der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie in Dresden.
Adipositas ist hierzulande eines der wichtigsten Gesundheitsrisiken, und Gewichtsreduktion gehört zu den größten therapeutischen Herausforderungen. Blüher betonte, dass die konservativen Ansätze wie Ernährungs- und Bewegungstherapie auf lange Sicht häufig versagen. «Die bariatrische Chirurgie ist derzeit der einzige evidenzbasierte Ansatz zur dauerhaften Gewichtsreduktion», sagte der Mediziner. Mit allen anderen verfügbaren Methoden, einschließlich den pharmakologischen, sei dieses Ergebnis nicht zu erreichen.
Neben – und zum Teil wohl auch wegen – der Gewichtsreduktion führen Magenverkleinerungen zu einer Reihe von Stoffwechselverbesserungen. So kann Blüher zufolge ein Großteil der Patienten, der noch keinen Typ-2-Diabetes hat, durch die Operation vor einer Erkrankung geschützt werden. Bei bereits bestehender Zuckerkrankheit kommt es dank des Eingriffes häufig zur Remission. Ein metabolisches Syndrom wird Blüher zufolge bei den operierten Patienten viel seltener diagnostiziert (Reduktion um 80 Prozent). Bei Frauen sei sogar das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen signifikant reduziert.
Blüher betonte, dass bariatrische Operationen sich günstig auf den Hormonhaushalt auswirken. Das treffe auf eine ganze Reihe von Hormonen zu: von Insulin über Inkretine bis hin zu den Geschlechtshormonen, deren Werte sich wieder verbessern oder gar normalisieren lassen. Näher ging der Mediziner auf das Hormon Ghrelin ein, das aus dem Magen freigesetzt wird. Es ist appetitanregend, stimuliert die Nahrungsaufnahme und reduziert die Fettverbrennung. Untersuchungen zeigen, dass zwei Jahre nach einer bariatrischen Operation die Ghrelin-Konzentration um die Hälfte gesunken ist, berichtete der Mediziner.
Neben den Veränderungen im Hormonhaushalt scheint die Magenverkleinerung direkt oder vermittelt durch die Gewichtsreduktion zu einer wesentlichen Veränderung der Darmflora beizutragen. Wie Blüher informierte, nehmen nach einer bariatrischen Operation Firmicutes und Bacteroidetes ab, Proteobacteria dafür deutlich zu. Der Mediziner hält es für möglich, dass dies ebenfalls zu den positiven Auswirkungen der gewichtsreduzierenden Operation beiträgt. Eine Transplantation des Mikrobioms könnte daher auch in der Adipositas-Therapie wirksam sein. Bei Übergewichtigen ist eine Stuhl-Transplantation noch nicht umgesetzt, laut Blüher aber in Planung. Die Anwendungsgebiete dieses Verfahrens, das zum Beispiel bei entzündlichen Darmerkrankungen erfolgreich zum Einsatz kommt, seien sehr vielfältig. (ss)
21.03.2014 l PZ
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