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Chronische Verstopfung: Stufenplan nach Leitlinie

 

Chronische Obstipation ist nicht nur eine Befindlichkeitsstörung, sondern schränkt die Lebensqualität vieler Betroffener massiv ein. Sie sollte deshalb ernst genommen und Betroffene gemäß der Leitlinie behandelt werden. Das betonte Dr. Viola Andresen vom Israelitischen Krankenhaus in Hamburg heute bei einer von der Firma Shire unterstützten Veranstaltung der Gastro Liga in Berlin.

 

Andresen ist Mitautorin der im Februar dieses Jahres erschienenen Leitlinie. Diese sieht eine stufenweise Intensivierung der Therapie vor, beginnend mit Basismaßnahmen wie einer erhöhten Ballaststoff- und Flüssigkeitszufuhr, verstärkter körperlicher Aktivität und Toilettentraining. «Allerdings sollte man bei Patienten, die bereits unter chronischer Obstipation leiden, auf diese Maßnahmen nicht allzu große Hoffnungen setzten», sagte Andresen. Eine Ernährungsumstellung bei bereits Obstipierten bringe so gut wie nichts, ebenso wenig wie die Erhöhung der Trinkmenge über das normale Maß hinaus. Auch körperliche Aktivität habe höchstwahrscheinlich keinen substanziellen Effekt.

 

Bleiben diese Maßnahmen wirkungslos, sieht die Leitlinie nach Ausschluss einer Entleerungsstörung als Ursache der Beschwerden den Einsatz von Laxanzien vor. Mittel der ersten Wahl sind hier Macrogol, Bisacodyl und Natriumpicosulfat. «Diese Arzneistoffe sind wirksam, sicher und gut verträglich. Patienten mit chronischer Verstopfung können sie auch langfristig anwenden», sagte Andresen. Das gilt laut Leitlinie ausdrücklich auch für Schwangere.

 

Gegen die Langzeit-Anwendung von Laxanzien gebe es vor allem bei Ärzten und Apothekern immer noch viele Vorbehalte. Diese seien jedoch unbegründet, wenn die Präparate bestimmungsgemäß eingesetzt würden. «Selbstverständlich reden wir hier nicht vom exzessiven Laxanzien-Einsatz aus anderen Gründen, etwa wenn Patienten mit Essstörungen bewusst Durchfälle induzieren, um Gewicht zu verlieren», so Andresen. Wenn aber Obstipierte mit diesen Mitteln ihren Stuhlgang normalisieren könnten, sei dies auch über einen langen Zeitraum unbedenklich. Lactulose und Anthrachinone nennt die Leitlinie aufgrund der vergleichsweise schlechteren Verträglichkeit als Mittel der zweiten Wahl.

 

Ist eine weitere Intensivierung der Therapie notwendig, empfiehlt die Leitlinie zunächst den Serotonin­Rezeptor-Agonisten Prucaloprid (Resolor®), alternativ den Guanylatcyclase-C-Rezeptor-Agonisten Linaclotid (Constella®) beziehungsweise den in Deutschland nicht zugelassenen Chloridkanal-Aktivator Lubiproston. Keines dieser Präparate wird jedoch in der Indikation chronische Obstipation regelhaft von den Krankenkassen erstattet. (am)

 

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Wirkstoffprofil Prucaloprid (Resolor® / 2010), Linaclotid (Constella® / 2013) in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe

 

17.10.2013 l PZ

Foto: Fotolia/Gina Sanders