Analgesie: Schmerzhaftes Unwissen bei Ärzten |

Wissenslücken bei der Behandlung von Schmerzen sind bei Ärzten leider häufiger anzutreffen, als man erwarten würde. Auf diesen Umstand wies Professor Dr. Arne May aus Hamburg auf einer Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses in Hamburg hin. Dem Kongresspräsidenten zufolge sorgen fehlende Ausbildung im Bereich Schmerztherapie während des Medizinstudiums und ein Mangel an Weiterbildung bei Approbierten für Wissenslücken. So zum Beispiel beim Thema Kopfschmerz: Der Neurologe informierte, dass es mehr als 200 verschiedene Kopfschmerzarten gibt, die man durchaus anhand der geschilderten Symptome auseinanderhalten könne. Viele Mediziner könnten dies aber nicht.
May zufolge haben angehende Ärzte aber zu wenig Chancen in der Ausbildung, genug Wissen über Schmerzen zu sammeln. Beispielsweise würden immer wieder Opioide bei Kopfschmerzen verordnet. «Opioide wirken bei Kopfschmerzen aber nicht», sagte May. Regelmäßig sähe er Kopfschmerz-Patienten, die regelrecht opioidvergiftet sind. Ferner kritisierte May, dass bei seinen Kollegen bei Kopfschmerzpatienten auch zu viel operiert wird und zu oft ein Röntgenbild der Halswirbelsäule angefertigt wird.
Viele Patientenfälle seien komplex und zeitaufwendig, so May. Schmerzspezialisten im ambulanten Bereich würden im Verhältnis zum Aufwand, die die Versorgung dieser Patienten bereitet, zu schlecht vergütet. Dass eine ausreichende und stabile Finanzierungsgrundlage für Schmerzspezialisten geschaffen wird, verlangt auch die Deutsche Schmerzgesellschaft. Sie tut dies im Rahmen ihrer Forderung nach einem nationalen Aktionsplan gegen den Schmerz. Wie der Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft, Professor Dr. Thomas R. Tölle aus München, deutlich machte, ist für eine mittelfristige Umsetzung dieses Planes die Unterstützung seitens der Politik gefragt.
Als einen wichtigen Bestandteil dieses Plans stellte Tölle den Aufbau eines deutschen Schmerzregisters heraus. Nur so könne man mehr über die Epidemiologie von Schmerz, den Übergang von akutem zu chronischem Schmerz und den Verlauf von Patientenkarrieren erfahren. Im Rahmen dieses Aktionsplanes wird auch die schnelle und bereits beschlossene Einbindung der Schmerzmedizin als eigenes Prüfungsfach in die Lehre an Universitäten gefordert. Zudem müsse die Qualität der Schmerzversorgung neben den nötigen Schritten zur Vermeidung und Behandlung chronisch schmerzkranker Menschen auch im Bereich akuter Schmerzen verbessert werden. Rund 40 Prozent der Kliniken haben laut der Deutschen Schmerzgesellschaft hier Lücken, die Patienten unnötig leiden lassen. Nur rund 15 Prozent der Kliniken nehmen an speziellen Zertifizierungen zum Schmerzmanagement teil. Eine weitere Möglichkeit, um zu verhindern, dass akute Schmerzen chronifizieren, stellte Professor Dr. Shahnaz Christina Azad aus München vor: Die Behandlung in Akutschmerzdiensten an Kliniken. Diese gebe es aber lange nicht an allen Kliniken, so die Kongresspräsidentin. (ss)
24.10.2013 l PZ
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