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Helicobacter pylori: Dreier-Kombi mit Bismut verfügbar

Ab sofort ist mit dem Präparat Pylera® eine neue Therapieoption zur Behandlung von Helicobacter-pylori-Infektionen auf dem deutschen Markt verfügbar. Wie Hersteller Aptalis Pharma in einer Pressemitteilung informiert, ist das Kombinations­präparat als Teil einer Bismut-basierten Quadrupeltherapie (O-BMT) in Kombination mit Omeprazol zur Eradikation von Helicobacter pylori (H. pylori) sowie zur Prävention eines rezidivierenden peptischen Ulkus bei Patienten mit durch H. pylori induzierten Ulzera indiziert. In dem neuen Präparat sind drei von vier Wirkstoffen der O-BMT-Therapie in einer zweischichtigen Hartkapsel enthalten. In der äußeren Hülle sind Bismut-Kalium-Salz und Metronidazol enthalten, im Inneren befindet sich Tetracyclinhydrochlorid.

 

Bismut zur Eradikation von H. pylori gab es bereits früher. Die genaue Wirkung von Bismut bei der Behandlung von H.-pylori-Infektionen ist jedoch noch nicht bekannt. Sie scheint mit direkter Toxizität für die Membranfunktion, Hemmung der Protein- und Zellwandsynthese, Hemmung der Urease-Enzymaktivität, Verhinderung von Zytoadhärenz, der ATP-Synthese und einer unspezifischen kompetitiven Beeinträchtigung des Eisentransports zusammenzuhängen.

 

Das tägliche Dosierungsschema von Pylera sieht die Einnahme von viermal drei Kapseln Pylera nach den Mahlzeiten sowie je eine 20-mg-Tablette Omeprazol morgens und abends vor. Die Behandlungsdauer beträgt zehn Tage.

 

Eine H.-pylori-Infektion muss nicht zwingend eradiziert werden. Im Vorfeld der Diagnose gilt es abzuwägen, ob der Nachweis des Bakteriums therapeutische Konsequenzen zur Folge hätte. Die siebentägige französische (OAC: Omeprazol, Amoxicillin und Clarithromycin) und italienische Tripeltherapie (OMC: Omeprazol, Metronidazol und Clarithromycin) sind in der Behandlung von H. pylori zum weltweiten Standard in der Erstlinientherapie geworden, wobei deren Wirksamkeit vor allem wegen wachsender Clarithromycin-Resistenzen zunehmend zur Diskussion gestellt wird. Als alternative Erstlinientherapien nennt die deutsche S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) aus dem Jahr 2008 die Sequentialtherapie aus einem Protonenpumpeninhibitor (PPI) plus Amoxicillin gefolgt von Clarithromycin, Metronidazol und PPI und die Vierfachtherapie aus PPI, Clarithromycin, Metronidazol und Amoxicillin.

 

Als Reserveoption wird zudem die O-BMT aufgeführt. Sie sei wirksam, in der Durchführung aufgrund der großen Tablettenzahl verteilt auf vier Einnahmezeitpunkte aber kompliziert. Ferner befänden sich wissenschaftlich etablierte Bismutpräparate in Deutschland nicht mehr im Handel. Nachdem Pylera nun verfügbar ist, müsste die Leitlinie aktualisiert werden.

In Anbetracht der wachsenden Clarithromycin-Resistenz unterscheidet der kürzlich aktualisierte europäische Maastricht IV Konsensus-Report in den Therapieempfehlungen nach Regionen mit niedriger und hoher Clarithromycin-Resistenz. Bei hoher Prävalenz wird die O-BMT-Therapie als Erstlinientherapie empfohlen. Bei niedrigen Clarithromycin-Resistenzen gelten die Standard-Tripel-Therapie und die O-BMT-Therapie als Therapieoptionen der Wahl. Gut möglich, dass auch die deutsche Leitlinie in dieser Richtung angepasst wird.

 

H. pylori siedelt sich als spiralförmiges Stäbchenbakterium in der menschlichen Magenschleimhaut an und kann dort trotz eines stark säurehaltigen Milieus überleben. Die Infektion kann für Betroffene mit Symptomen wie Sodbrennen, Magendruck oder Durchfall einhergehen. Doch nicht immer verursacht H. pylori auch tatsächlich Beschwerden. Die H. pylori-Prävalenz ist abhängig von der ethnischen Zugehörigkeit, der geografischen Herkunft und dem sozioökonomischen Status. In Deutschland wird die Prävalenz auf etwa 5 Prozent bei Kindern und 24 Prozent bei Erwachsenen geschätzt. Die Übertragung des Erregers erfolgt von Mensch zu Mensch. Allerdings herrscht Unklarheit über den genauen Übertragungsmodus. Mit H. pylori ist grundsätzlich eine Vielzahl gastroduodenaler Folgeerkrankungen assoziiert: Das Bakterium kann für die Entstehung und Entwicklung von Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni, Margenkarzinomen und MALT-Lymphomen verantwortlich sein. Insgesamt lassen sich etwa 75 Prozent aller Magenkrebserkrankungen auf die H. pylori-Infektion zurückführen. (ss)

 

18.01.2013 l PZ

Foto: Novartis Vaccines