Palliativpatienten: Schluckauf raubt den Schlaf |

Ein eher seltenes, aber belastendes Symptom bei Palliativpatienten ist der Schluckauf. Männer sind fünfmal häufiger betroffen als Frauen, berichtete der Palliativmediziner Dr. Harald Braun, Groß-Gerau, beim Pharmacon in Meran. Schluckauf (Singultus) entsteht, wenn sich das Zwerchfell ruckartig zusammenzieht und fast gleichzeitig die Stimmlippen (Glottis) verschließen. Dadurch entsteht der typische «Hickser». Hält der Singultus mehr als 48 Stunden an, spricht man von persistierend. Es gibt aber auch Patienten, die länger als zwei Monate bis zu Jahren daran leiden (hartnäckiger Singultus). «Dieses Symptom belastet die Patienten und ihre Angehörigen stark, kostet viel Kraft und raubt den Schlaf», erklärte der Arzt.
Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Magenblähung, Stress, Hirnblutungen und Schlaganfall bis zu Verletzungen oder Störungen des Nervus phrenicus, der das Zwerchfell innerviert. Auch Arzneimittel, zum Beispiel Antiparkinson-Medikamente und Chemotherapeutika, können das quälende Hicksen auslösen, informierte Braun. Volksmedizinisch gebe es viele Ratschläge, zum Beispiel Luft anhalten oder Eiswasser trinken, die die Atmung beruhigen und den Nervus vagus stimulieren sollen. Viele verschiedene Medikamente werden eingesetzt, doch es gebe dafür keine Evidenz. Braun nannte als Beispiele Metoclopramid, Simethicon, Protonenpumpenblocker, Haloperidol, Baclofen sowie Pregabalin und Gabapentin. Was dem Patienten hilft, müsse man ausprobieren. (bmg)
Lesen Sie dazu auch
Palliativversorgung: Das Leiden am Lebensende lindern, PZ-Titelbeitrag 23/2012
Palliativ umsorgt bis in den Tod, PZ 21/2010
06.06.2012 l PZ
Foto: Fotolia/Alexander Raths