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Glucosamin: Wechselwirkungen mit Antikoagulanzien

 

Patienten, die Cumarine zur Blutgerinnungshemmung einnehmen, sollten auf Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente mit Glucosamin verzichten. Bereits in den Jahren 2007 und 2010 hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) darauf hingewiesen, dass eine Komedikation gesundheitliche Risiken berge. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigte jetzt die Einschätzung des BfR.

 

Glucosamin könne die blutgerinnungshemmende Wirkung der Cumarine verstärken und zu Blutungen führen, so Professor Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR. Zu den in Deutschland verfügbaren Cumarin-Antikoagulanzien gehören Phenprocoumon (Marcumar) und Warfarin (Coumadin). Der Aminozucker Glucosamin wird als Arzneimittel zur Symptomlinderung bei Kniegelenkarthrosen eingesetzt. In Mengen, die für eine pharmakologische Wirkung zu gering sind, ist Glucosamin außerdem in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten.

 

Die EFSA gelangte nun nach einer Untersuchung übereinstimmend mit dem BfR zu dem Schluss, dass ein erhöhtes Risiko verstärkter Blutgerinnungshemmung unter der gleichzeitigen Einnahme von Cumarin-Antikoagulanzien und Glucosamin besteht. Als Folge könnten Blutungen auftreten. Bei einem Großteil der berichteten Fälle handelte es sich um symptomlose Laborwertveränderungen, in einigen Fällen traten aber Blutungen in verschiedenen Organen auf, einmal mit einer schweren Hirnblutung als Folge. Der Mechanismus, der dieser Interaktion zugrunde liegt, ist zurzeit unklar. Einige Untersuchungen legen nahe, dass Glucosamin möglicherweise eine durch ADP hervorgerufene Thrombozytenaggregation hemmen könnte.

 

Die EFSA hatte sich in den vergangenen Jahren außerdem mit Aussagen zur Wirksamkeit von Glucosamin beschäftigt.  Nahrungsergänzungsmittel gelten rechtlich als Lebensmittel und dürfen nicht mit irreführenden Aussagen zu pharmakologischen Wirkungen vertrieben werden. Auch liegen derzeit keine wissenschaftlichen Beweise für einen Nutzen bei der gesunden Allgemeinbevölkerung vor.

 

Diabetiker und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten nach einer früheren Stellungnahme des BfR ebenfalls als Risikogruppen, die Glucosamin nur mit Vorsicht zu sich nehmen sollten. (va)

 

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27.02.2012 l PZ

Foto: Fotolia/Sanders