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Leipzig: Pharmazeuten wehren sich gegen Schließung

 

Für die Studenten und Professoren war die Ankündigung ein Schock: Das Institut für Pharmazie an der Universität Leipzig soll geschlossen werden. Das kündigte am Dienstag überraschend das Rektorat der Uni an. Dahinter stecken reine Sparmaßnahmen. Für die geschäftsführende Direktorin Professor Dr. Michaela Schulz-Siegmund ist die Entscheidung vollkommen unverständlich. «Das Institut für Pharmazie ist der völlig falsche Punkt, um zu sparen», sagte sie gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. Es gibt jedoch noch Hoffnung.

 

Warum es ausgerechnet die Pharmazie trifft, erklärt sie mit dem relativ kleinen Studiengang. In Leipzig immatrikulieren sich jedes Jahr  rund 50 Erstsemester für Pharmazie. Insgesamt sind derzeit rund 225 Studenten eingeschrieben. Es könnten noch viel mehr sein, wären die Studienplätze nicht begrenzt, denn das Interesse am Studienfach und auch am Standort Leipzig ist noch viel größer.

 

Wahrscheinlich will das Rektorat auch einfach die Gelegenheit nutzen: Gerade findet im Institut ein Generationswechsel bei den Professoren statt. Seit 2007 sind bereits drei der fünf Professuren neu besetzt worden. Für 2013 sollen die anderen zwei Stellen altersbedingt neu besetzt werden. «Das ist eine exzellente Vorlage, um hier zu kürzen», so die Schulz-Siegmund. «Wir haben bereits seit Längerem zu wenig Mitarbeiter. Statt zu verbessern, wird hier jetzt eingespart.» Insgesamt sind 21 Stellen am Institut betroffen.

 

Zwar versicherte das Rektorat, alle derzeit eingeschriebenen Studenten sollen ihr Pharmaziestudium in Leipzig zu Ende führen können. Wie das bei laufendem Stellenabbau funktionieren soll, erklärte es allerdings nicht. Fast alle Pharmazeuten versammelten sich am Mittwochmorgen aus Protest vor dem Rektorat, unterstützt durch Studierende andere Fachrichtungen. Rund 250 Studenten im weißen Kittel kamen mit symbolisch gepackten Koffern und zogen anschließend in die Innenstadt. Die Aktion hatten die Studenten während der Nacht organisiert, da sowohl Professoren wie Studenten erst am Dienstag von der Entscheidung erfuhren.

 

«Wir kämpfen für den Standort», sagte die Diplomandin und ehemalige Fachsschaftssprecherin Christin Nitzschke der PZ. «Schließlich haben wir uns bewusst für Leipzig entschieden.» Neben dem attraktiven Umfeld wissen die Studenten vor allem die individuelle Betreuung und Förderung zu schätzen.

 

Die Hoffnung haben die Leipziger Pharmazeuten noch nicht aufgegeben. «Zwar hat sich das Rektorat festgelegt», sagte Schulz-Siegmund. Letztlich entscheidet aber das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. «Und das wird es nicht akzeptieren», ist sich die Apothekerin sicher. «Pharmazeuten werden gebraucht, es gibt jetzt schon viel zu wenige.» Der Entschluss könnte die Arzneimittelversorgung des gesamten Bundeslands mittelfristig in Gefahr bringen. Davor warnten auch Sächsische Apothekerkammer und -verband. (db)

 

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14.12.2011 l PZ

Foto: Fotolia/runzelkorn