Schlaganfall: Die zehn wichtigsten Risikofaktoren |

Zehn Risikofaktoren sind für 90 Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich. Dies ist das Ergebnis der INTERSTROKE-Studie unter Leitung von Dr. Martin J. O’Donnell von der McMaster University im kanadischen Hamilton, die nun in der Fachzeitschrift «The Lancet» erschienen ist (doi:10.1016/S0140-6736(10)60834-3). An der drei Jahre dauernden Studie nahmen 3000 Schlaganfallpatienten und 3000 Kontrollpersonen aus 22 Ländern teil. Die Studienteilnehmer füllten Fragebögen zu ihren Lebensgewohnheiten aus und ließen sich ärztlich untersuchen. Die Risikofaktoren wurden über das populationsattributable Risiko (PAR) ermittelt. Dieser Wert angegeben in Prozent ist der Anteil Patienten, die durch einen bestimmten Faktor erkrankt ist. Zum Beispiel ergibt sich für den PAR der sportlich wenig aktiven Personen ein Wert von 18,9 Prozent. Dies ist der Anteil an Personen, deren Schlaganfall auf Bewegungsarmut zurück zu führen ist. Die Gesamtsumme aller PAR kann dabei 100 Prozent überschreiten, da eine Person durch mehrere Risikofaktoren erkrankt sein kann. Bluthochdruck, Bewegungsmangel, abdominale Adipositas, Rauchen und ungesunde Ernährung sind laut INTERSTROKE-Studie für 80 Prozent der Schlaganfälle verantwortlich. Nimmt man Blutfette, kardiale Ursachen, Depressionen, Diabetes, psychischen Stress und Alkoholabusus hinzu, werden 90 Prozent der Schlaganfallursachen abgedeckt.
Für den ischämischen Schlaganfall, dessen Ursache ein verstopftes Gefäß im Gehirn ist, sind diese zehn Faktoren signifikant und die Blutfette von entscheidender Bedeutung. Beim hämorrhagischen Schlaganfall, ausgelöst durch Einblutungen ins Gehirn, sind vor allem Bluthochdruck, Rauchen, abdominale Adipositas, Ernährung und Rauchen Hauptrisikofaktoren. Die Blutfette haben für den hämorrhargischen Schlaganfall weniger Bedeutung.
Das Interessante an diesen Ergebnissen: Neun von zehn dieser Faktoren decken sich mit den Ergebnissen der INTERHEART-Studie, die vor sechs Jahren die Risikofaktoren für Herzinfarkt unter die Lupe nahm («The Lancet», doi:10.1016/S0140-6736(04)17018-9). Die Gewichtung weicht jedoch ab: Die Blutfette standen als Risikofaktor zum Beispiel an erster Stelle für Herzinfarkt, nehmen beim Schlaganfall aber nur Platz sechs ein. In den untersuchten Ländern traten jeweils die gleichen Risikofaktoren für Schlaganfälle auf. Deren Gewichtung könne sich allerdings nach Ländern (arm/reich) und ethischen Gruppen unterscheiden, so die Autoren. Dies soll jetzt in einer zweiten Phase der Studie geklärt werden. (sa)
22.06.2010 l PZ
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