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Sichelzellanämie-Gen als Evolutionsvorteil bestätigt

 

Kinder mit einer genetischen Anlage für Sichelzellanämie haben in Malariagebieten Überlebensvorteile. Sie entwickeln sich schneller und besser als Kinder ohne einen entsprechenden Gendefekt, wie das Bernhard-Nocht-Institut (BNI) für Tropenmedizin in Hamburg berichtet. In einer Kohortenstudie mit mehr als tausend Kindern in Ghana stellten die Wissenschaftler fest, dass die einfache genetische Anlage das Risiko einer Unterentwicklung um die Hälfte senkt, gegenüber Kindern ohne Veranlagung. Dies sei ein Beleg für die Theorie der «balancierenden Evolution».

 

Bei der Sichelzellanämie sind die Erythrozyten verformt und können schlechter Sauerstoff transportieren; es kommt zur Blutarmut. Erben Kinder die Veranlagung von beiden Elternteilen, führt dieser Gendefekt unbehandelt bereits vor dem Erwachsenenalter zum Tod. Für Kinder mit nur einer entsprechenden Erbanlage haben sich geringe Mengen verformter Erythrozyten jedoch als Evolutionsvorteil herausgestellt, da sie schlechtere Bedingungen für den Malaria-Parasiten bedeuten. «Der Nachteil der tödlichen doppelten Sichelzellanlage wird durch einen Schutz vor Malaria bei der einfachen genetischen Anlage ausgeglichen, „balanciert“», erklärt Professor Dr. Jürgen May, Infektionsepidemiologe des BNI und Leiter der Studie. Die «balancierende Evolution» gilt als Grundprinzip der Entwicklung des Menschen und anderer Lebewesen, das wesentlich die Anpassung an Umweltbedingungen und die genetische Vielfalt der Individuen fördert. (db)

 

29.03.2010 l PZ

Foto: Fotolia/Phoenixpix