Studie: Zuzahlungen gefährden Gesundheit |

Zuzahlungen gefährden die Therapietreue der Patienten und dienen nicht dem Ziel, beim Patienten einen vernünftigen Umgang mit Medikamenten zu fördern. Diese Erkenntnisse zeichnen sich als erste Ergebnisse einer Studie über die Effekte der Arzneimittel-Zuzahlungen ab, die heute in Berlin vorgestellt wurden. Das Bremer Institut für Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung (BIAG) hat in Zusammenarbeit mit der Versandapotheke Sanicare seit November 2009 bisher 1200 Sanicare-Kunden befragt, denen im Gegenzug die Hälfte der Zuzahlungen erlassen wurde; angestrebt sind 6000 Studienteilnehmer. Nach Angaben der Wissenschaftler vom BIAG ist es in Deutschland die erste empirische Studie zu diesem Thema. Es zeichne sich ab, dass Zuzahlungen die Therapietreue entscheidend verringern, weil Patienten Rezepte nicht einlösen, um Geld zu sparen. Das rufe zusätzliche Gesundheitsrisiken hervor und verursache höhere Kosten. Krankheiten würden verschleppt oder chronisch, die Sterblichkeit könne sich erhöhen. Professor Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen bezweifelte bei der Präsentation die steuernde Wirkung von Zuzahlungen. Der Patient, dem der Arzt ein verschreibungspflichtiges Medikament verordnet, habe keinen Einfluss darauf, ob er eine Zuzahlung leistet oder nicht, weil der Arzt die Entscheidung über das verordnete Medikament treffe. (ug)
17.02.2010 l PZ
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