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Alpelisib und Entrectinib

Zwei neue Krebsmedikamente am Start

Mit Alpelisib gegen Brustkrebs und dem Tyrosinkinase-Hemmer Entrectinib könnten bald zwei neue Onkologika auf den Markt kommen. Beide erhielten vom Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelbehörde eine Zulassungsempfehlung.
Kerstin A. Gräfe
31.05.2020  11:28 Uhr

Alpelisib (Piqray®, Novartis) ist zur Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs mit einer PIK3CA-Mutation vorgesehen, wenn die Patienten zuvor eine endokrine Therapie erhalten haben. Etwa 40 Prozent aller hormonrezeptorpositiven Mammakarzinome weisen eine solche Mutation auf. Sie führt zu einer Überaktivierung des PI3K-Stoffwechselwegs, wodurch das Krebswachstum stimuliert wird.  Die Phosphoinositid-3-Kinase (PI3K) besteht aus einer regulatorischen und einer katalytischen Untereinheit, wobei es von Letzterer vier Isoformen gibt: alpha, beta, gamma und delta. PIK3CA codiert für die Alpha-Isoform. Alpelisib ist ein spezifischer PI3Kα-Inhibitor.

Piqray wird im Fall einer Zulassung als 50-mg-, 150-mg- and 200-mg-Filmtabletten auf den Markt kommen. In den Zulassungsstudien konnte Alpelisib in Kombination mit dem Antiestrogen Fulvestrant das progressionsfreie Überleben signifikant verlängern. Als häufigste Nebenwirkungen traten unter anderem erhöhte Plasmaglucose- und Kreatinin- Spiegel auf.

Des Weiteren empfahl der CHMP die Zulassung von Entrectinib (Rozlytrek®). Der Wirkstoff von Roche soll zur oralen Behandlung von Patienten ab zwölf Jahren mit soliden Tumoren mit NTRK-Fusionen eingesetzt werden. Zudem soll er zukünftig für die Behandlung von Erwachsenen mit ROS1-positivem nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) angewendet werden dürfen. Rozlytrek soll als 100-mg- und 200-mg-Hartkapseln auf den Markt kommen. 

Entrectinib ist ein Inhibitor der Tropomyosin-Rezeptor-Kinasen (TRK). TRK haben unter anderem über verschiedene Signalkaskaden Einfluss auf die Differenzierung von Neuronen. Fusioniert das dem TRK-Protein zugrunde liegende neurotrophe Tyrosin-Rezeptor-Kinase-(NTRK-)Gen mit einem anderen Gen, wird ein sogenanntes TRK-Fusionsprotein gebildet. Dieses ist ständig aktiv und gibt dauerhaft Signale weiter, dass die Zelle wachsen und sich teilen soll, wodurch aus gesunden Zellen Krebszellen entstehen. Bislang wurden NTRK-Fusionsproteine zum Beispiel bei soliden Tumoren der Brust, des Darms, der Lunge, der Bauchspeicheldrüse, der Schilddrüse, bei Sarkomen und der weiblichen Geschlechtsorgane gefunden.

Auch beim ROS1-Gen können derartige Genfusionen vorkommen, unter anderem beim NSCLC. Sie sind mit 1 bis 2 Prozent sehr selten und treten vor allem bei jüngeren Patienten auf. 

Mit dem TRK-Hemmer Larotrectinib (Vitrakvi® von Bayer) kam im Oktober vergangenes Jahres bereits der erste Vertreter dieser Wirkstoffklasse in Europa auf den Markt.

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