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Darmkrebsmonat März

Zur Vorsorge geht man ohne Beschwerden

Prävention betreibt man im gesunden Zustand, um gesund zu bleiben. Darauf macht die Felix-Burda-Stiftung zu Beginns des Darmkrebsmonats März aufmerksam. Umfragen zeigen, dass das Prinzip der Vorsorge nicht verstanden wird.
Christina Hohmann-Jeddi
02.03.2020  09:00 Uhr

Zum 19. Mal steht der März in ganz Deutschland im Zeichen der Darmkrebsvorsorge. Ausgerufen von der Felix-Burda-Stiftung, der Stiftung LebensBlicke und dem Netzwerk gegen Darmkrebs e.V., engagieren sich in diesem Monat Medien, Gesundheitsorganisationen, Unternehmen und Ärzte für die Prävention von Darmkrebs - dem zweithäufigsten Krebs in Deutschland. Sie informieren unter anderem auch zum Nutzen der Darmkrebsvorsorge.

Diese Aufklärungsarbeit zeigt Wirkung: Die Rate der Neuerkrankungen und Todesfälle geht seit zehn Jahren kontinuierlich zurück, berichtet die Felix-Burda-Stiftung in einer Mitteilung. Dieser Rückgang könnte allerdings deutlicher ausfallen, wenn mehr Menschen die Vorsorge für sich nutzen würden. Aktuell nehmen nur rund 1,8 Prozent der jährlichen Anspruchsberechtigten diese Untersuchung auch wahr.

Ein möglicher Grund: Viele verstehen das Angebot zur Krebsvorsorge als Maßnahme der »Reparaturmedizin«. Denn in Befragungen wurde als häufigsten Grund für die Nicht-Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge genannt, dass keine Beschwerden mit dem Darm vorlägen. Vielen Menschen sei das Prinzip von Prävention und Vorsorge offenbar nicht bewusst.

Prävention betreibt man im gesunden Zustand, um gesund zu bleiben, betont die Stiftung. Zur Darmkrebsvorsorge gehe man daher ohne Beschwerden, ohne Darmprobleme oder gar Schmerzen. Wenn man sich gesund fühlt und das 50. Lebensjahr erreicht hat, ist dies der ideale Zeitpunkt für die Darmkrebsvorsorge, um sich seine Gesundheit bestätigen zu lassen. Und selbst wenn bei dieser Koloskopie Krebs entdeckt wird – was nur in 1 Prozent der Untersuchungen der Fall ist – befindet sich dieser Darmkrebs dann meist in einem so frühen Stadium, dass er gut geheilt werden. Erst auf Beschwerden zu warten und dann zur Vorsorge zu gehen, konterkariere das Prinzip der Darmkrebsprävention, heißt es in der Mitteilung weiter.

Eine mögliche Diagnose Krebs aber auch die Darmkrebsvorsorge selbst scheinen Angst zu machen. »Das, was uns zu starke Angst macht oder überfordert, wird verdrängt«, sagt Professor Dr. Anja Mehnert-Theuerkauf, Leiterin der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Uniklinik Leipzig. »Dieser eigentlich sinnvolle Mechanismus wirkt auch hier.« Ein mittleres Ausmaß an wahrgenommener Bedrohung wirkt ihr zufolge am besten, um Vorsorge und Früherkennungsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen. Ist die wahrgenommene Bedrohung durch eine Erkrankung etwa aus Informationsmangel zu gering oder die Angst vor einer Diagnose zu groß, nehmen Menschen die Maßnahmen nicht wahr.

Diese »Präventiophobie« könne auch fatale Folgen haben. Auf den Anzeigen der Werbekampagne zum Darmkrebsmonat März heißt es daher: »Vorsorge ist harmlos – Krebs kann ihr Leben zerstören! Deshalb: Wer gesund bleiben will, geht nicht erst bei Beschwerden zur Darmkrebsvorsorge.«

Die Darmkrebsvorsorge steht jedem Versicherten einer gesetzlichen und privaten Krankenversicherung kostenfrei zu. Männer haben ab 50 Jahren die Wahl zwischen immunologischen Stuhltest oder Vorsorge-Darmspiegelung. Frauen können ab 50 den Stuhltest und ab 55 Jahren die Darmspiegelung nutzen. Bei einem erhöhten Risiko für Darmkrebs, wie zum Beispiel einer familiären Vorbelastung oder einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung – sollte bereits früher mit der Vorsorge begonnen werden. Allgemeinärzte, Gynäkologen, Urologen und Gastroenterologen beraten zur Darmkrebsvorsorge. Weitere Informationen zum Darmkrebsmonat März sind auf der Website der Felix-Burda-Stiftung zu finden. 

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