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Doravirin

Zulassung für neuen HIV-Wirkstoff

Seit Januar ist mit Doravirin ein weiterer nicht nukleosidischer HIV-1-Reverse-Transkriptase-Inhibitor (NNRTI) zur Behandlung HIV-1-infizierter Erwachsener auf dem Markt. Der Neuling ist sowohl als Einzeltablette als auch als Fixkombination zugelassen: das Monopräparat Pifeltro® enthält 100 mg Doravirin; die Kombination Delstrigo® 100 mg Doravirin, 300 mg Lamivudin (3TC) und 300 mg Tenofovirdisoproxilfumarat (TDF). Beide Präparate werden von MSD hergestellt.
Kerstin Gräfe
01.02.2019
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Pifeltro darf nur in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln angewendet werden. Zugelassen ist es für HIV-1-positive Erwachsene, wenn die HI-Viren keine Mutationen aufweisen, die bekanntermaßen mit einer Resistenz gegen NNRTI assoziiert sind. Die 100-mg-Filmtablette wird einmal täglich unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen.

Delstrigo muss nicht mit weiteren HIV-Mitteln kombiniert werden und wird einmal täglich unabhängig von der Nahrung eingenommen. Delstrigo ist ebenfalls zugelassen für HIV-1-positive Erwachsene ohne Mutationen, die mit Resistenzen gegen einen oder mehrere der Wirkstoffe assoziiert sind.

Doravirin ist ein NNRTI aus der Gruppe der Pyridinone und hemmt die HIV-1-Replikation durch nicht kompetitive Hemmung der HIV-1-Reverse-Transkriptase. Der Wirkmechanismus ist bereits von anderen Arzneistoffen wie Efavirenz oder Rilpivirin bekannt.

Wie andere NNRTI hat Doravirin ein ausgeprägtes Interaktionspotenzial. Es wird hauptsächlich über CYP3A verstoffwechselt. Da starke CYP3A-Induktoren die Doravirin-Plasmakonzentration signifikant senken, ist eine gleichzeitige Anwendung kontraindiziert. Als Kontraindikationen listet die Fachinformation unter anderem Carbamazepin, Phenytoin, Rifampicin,Johanniskraut, Mitotan, Enzalutamid und Lumacaftor auf. Bei der gleichzeitigen Anwendung mit dem moderaten CYP3A-Induktor Rifabutin sollte die Doravirin-Dosis auf zweimal täglich 100 mg erhöht werden. Die Dosen sollten mit etwa zwölf Stunden Abstand eingenommen werden. Die gemeinsame Anwendung von Doravirin mit moderaten CYP3A-Induktoren wie Dabrafenib, Lesinurad, Bosentan, Thioridazin, Nafcillin, Modafinil und Telotristat wurde bisher nicht untersucht. Dennoch sollte auch hier bei der gemeinsamen Anwendung die Doravirin-Dosis auf zweimal täglich 100 mg mit zwölfstündigem Abstand erhöht werden. Die gemeinsame Anwendung mit CYP3A-Inhibitoren kann zwar zu erhöhten Doravirin-Plasmakonzentrationen führen; eine Dosisanpassung ist jedoch nicht erforderlich. Genaue Angaben zu den Wechselwirkungen von Doravirin mit anderen Arzneimitteln sind der Fachinformation zu entnehmen.

Aus Vorsichtsgründen sollte die Anwendung des neuen Arzneistoffs in der Schwangerschaft vermieden werden. Mütter sind anzuweisen, nicht zu stillen, wenn sie Pifeltro oder Delstrigo einnehmen.

Die Zulassung  basiert auf den Phase-III-Studien DRIVE-FORWARD (Monopräparat) und DRIVE-AHEAD (Fixkombination). In der DRIVE-FORWARD-Studie wurden 766 Teilnehmer ohne vorherige antiretrovirale Behandlung randomisiert und erhielten mindestens eine Dosis Pifeltro einmal täglich oder Darunavir plus Ritonavir (DRV+r) einmal täglich, jeweils in Kombination mit Emtricitabin/TDF oder Abacavir/3TC. Pifeltro zeigte eine anhaltende Virussuppression über 48 Wochen und erreichte damit seinen primären Endpunkt der nicht unterlegenen Wirksamkeit im Vergleich zum DRV+r-basierten Regime: Unter Pifeltro erreichten 84 Prozent eine Virussuppression von HIV-1 RNA < 50 Kopien/ml gegenüber 81 Prozent in der Vergleichsgruppe. Auch bei den Patienten mit einer sehr hohen Viruslast von ≥ 100.000 Kopien/ml zu Beginn der Studie war nach 48 Wochen der Anteil der Patienten mit < 50 Kopien/ml vergleichbar (81 Prozent versus 76 Prozent).

Delstrigo war in der Studie DRIVE-AHEAD beim primären Endpunkt der NNRTI-basierten Fixdosiskombination Efavirenz/Emtricitabin/TDF ebenfalls nicht unterlegen: Nach 48 Wochen hatten 84 Prozent der Patienten aus der Delstrigo-Gruppe und 80 Prozent der Patienten aus der Vergleichsgruppe eine Viruslast unter der Nachweisgrenze von < 40 HIV-1 RNA-Kopien/ml.

Zu den häufig beobachteten Nebenwirkungen zählen Schlaflosigkeit, abnorme Träume, Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen sowie Ausschlag.

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