Pharmazeutische Zeitung online
Pharmalobby 

Zugang zur Politik erkauft

Mit der Beschäftigung ehemaliger Mitarbeiter von Politikern bekommen Teile der Pharmabranche nach Angaben der Organisation »abgeordnetenwatch.de« bevorzugten Zugang zur Politik. Erneut wird die Forderung nach einem Lobbyregister laut.
dpa
15.01.2019
Datenschutz bei der PZ

Anlass dieser Einschätzung ist der Wechsel des ehemaligen Büroleiters des CDU-Bundestagsabgeordneten Micheal Hennrich (CDU), Thomas Hugendubel, zur Roche Pharma AG. Wie ein Sprecher des Pharmaunternehmens am Dienstag bestätigte, leitet Hugendubel seit 1. Januar dessen Hauptstadtbüro.

Hennrich ist als Berichterstatter für Arzneimittel und Apotheken Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestags. Léa Briand, Sprecherin von »abgeordnetenwatch.de«, kritisierte laut einer Mitteilung: »Mitarbeiter von Abgeordneten sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt, deswegen erfährt diese selten von derartigen Seitenwechseln.« Dabei kauften sich Konzerne und Lobbyverbände auf diese Weise »direkten Zugang« zu politischen Entscheidungsträgern.

Die Organisation führte weitere Fälle an, in denen Mitarbeiter von Politikern die Seite gewechselt hätten. Unter anderem sei schon früher ein anderer Mitarbeiter von Hennrich zum Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) gewechselt. Briand sagte: »Unternehmen und Verbände, die keine ehemaligen Angestellten von Fachpolitikern beschäftigen, geraten ins Hintertreffen.« Nötig sei die Einführung eines Lobbyregisters, in dem Lobbyisten zeitnah angeben, wer ihre Auftraggeber sind, auf welche Gesetzentwürfe sie Einfluss nehmen und mit welchen Entscheidungsträgern sie sich austauschen.

Mehr von Avoxa