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Cholesterolsenker

Zu wenig pAVK-Patienten bekommen Statine

Im Dezember schlug bereits die Fachgesellschaft Alarm, nun zeigen auch Daten der Krankenkasse Barmer: Deutlich weniger als jeder zweite Patient mit Diagnose periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) bekommt die empfohlene Medikation.
Daniela Hüttemann
01.02.2021  07:00 Uhr

Rund eine Million Menschen in Deutschland müssen laut Barmer jedes Jahr wegen der Schaufensterkrankheit, wie die pAVK umgangssprachlich genannt wird, ins Krankenhaus. Eine Analyse von 84.000 Barmer-Versicherten pAVK-Patienten aus dem Jahr 2019 ergab, dass in den sechs Monaten nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus nur 37 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer die optimale Arzneistoffkombination gegen ihre Gefäßerkrankung erhielten. Diese besteht aus Blutdruck- und Cholesterolsenkern sowie einem antithrombotischen Mittel.

Dabei werden gerade Cholesterolsenker noch viel zu selten verordnet, konstatiert die Barmer. Erhielt vor zehn Jahren rund jeder zweite pAVK-Patient einen solchen Wirkstoff auf Rezept, waren es nun immerhin etwa 60 Prozent. 90 Prozent bekamen ein Antihypertensivum und 80 Prozent Medikamente zum Schutz vor Thrombosen verordnet. Unbehandelt könnten sich bei der pAVK typische Symptome wie Schmerzen beim Gehen und Treppensteigen drastisch verstärken, warnt die Krankenkasse.

Der Nutzen der Cholesterolsenker bei einer pAVK sei unbestritten. Warum sie zu zurückhaltend verordnet würden, bleibe unklar. Die Kosten seien jedenfalls nicht ausschlaggebend, schließlich gebe es genügend preisgünstige Generika. »Denkbar ist, dass ein besserer Austausch unter Ärzten und Ärztinnen die Verordnungszahlen anheben würde«, so Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin der Barmer.

Zudem sollte gegenüber pAVK-Patienten der Nutzen der Statine betont werden, um die Adhärenz zu steigern. Die Barmer schätzt, dass viele aus Furcht vor Nebenwirkungen das Medikament nicht nehmen wollen (wobei sie es ja erst einmal verordnet bekommen müssen). Knapp jeder fünfte würde aus diesem Grund die Medikation absetzen.

Im vergangenen Dezember hatte die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) bereits auf die Problematik hingewiesen. Die belegte Evidenz der Statine lasse eine Effektivität von mehr als 30 Prozent für zentrale kardiovaskuläre Endpunkte und dabei ein nur geringes Risiko von 1 Promille für schwere Nebenwirkungen wie Myopathien erwarten.

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