Aber nicht alles ist Zukunftsmusik oder Off-Label-Anwendung. Die im vergangenen Jahr aktualisierte Leitlinie zum exokrinen Pankreaskarzinom nennt auch zielgerichtete Therapien. Demnach kann bei metastasierter Erkrankung alternativ zu einer Gemcitabin-Monotherapie eine Kombination aus Gemcitabin und dem EGFR-Inhibitor Erlotinib (Tarceva®) eingesetzt werden. In Studien zeigte sich aber, dass nicht alle Patienten gleichermaßen von der Kombination profitierten. Einen deutlichen Überlebensvorteil zeigten Patienten, die unter der Kombination ein akneiformes Hautexanthem entwickelten. Daher rät die Leitlinie bei Ausbleiben eines solchen Exanthems, den Nutzen der Therapie frühzeitig zu überprüfen und die Kombinationstherapie gegebenenfalls zu beenden.
Ebenfalls zur Behandlung des metastasierten Pankreaskarzinoms zugelassenen ist der PARP-Inhibitor Olaparib (Lynparza®). Voraussetzung für die Anwendung ist das Vorliegen einer BRCA1- oder BRCA2-Keimbahnmutation. Die Prävalenz hierfür liegt bei 4 bis 7 Prozent. Die Mutation spielt auch bei Patienten mit positiver Familienanamnese sowie bei anderen Krebsarten wie Mamma- oder Ovarialkarzinom eine Rolle. Außerdem müssen die Patienten für eine Platin-basierte Chemotherapie infrage kommen. Nach dieser kann dann eine Olaparib-Erhaltungstherapie erfolgen. In Studien zeigte sich unter der Therapie im Vergleich zu Placebo ein signifikant längeres progessionsfreies Überleben, wenn die Erkrankung unter der Platintherapie nicht fortgeschritten war.
Die Leitlinie listet auch eine Reihe von Studien zu Kombinationspartnern für eine Gemcitabin-basierte Chemotherapie auf, bei der kein Überlebensvorteil gegenüber einer alleinigen Chemotherapie beobachtet wurde. Dazu gehören der VEGFR-Inhibitor Bevacizumab (Avastin®), der VEGF-Inhibitor Aflibercept (Eylea®) der der Multikinase-Inhibitor Sorafenib (Nexavar®).
Die Beispiele zeigen: Zielgerichtete Therapien zur Behandlung des Pankreaskarzinoms sind möglich, aber schwer zu finden. Verschiedene Zielstrukturen wurden bereits identifiziert und lassen auf weitere hoffen. Doch häufig finden sie sich nur bei einem (kleinen) Teil der Patienten. Das erschwert nicht zuletzt die Durchführung von klinischen Studien.