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Erdafitinib

Zielgerichtet gegen Harnblasenkrebs

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat dem Tyrosinkinase-Hemmer Erdafitinib die beschleunigte Zulassung für Patienten mit fortgeschrittenem Blasenkrebs erteilt. Voraussetzung ist, dass der Tumor bestimmte Mutationen aufweist. 
Kerstin A. Gräfe
17.04.2019
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Erdafitinib ist ein einmal täglich oral einzunehmender Tyrosinkinase-Hemmer, der den Pan-Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor (FGFR) hemmt. FGFR bilden eine Familie von Rezeptor-Tyrosinkinasen, die in verschiedenen Tumorzelltypen hochreguliert und an der Proliferation von Tumorzellen, der Tumorangiogenese und dem Überleben von Tumorzellen beteiligt sein können. Sie spielen auch bei der Entstehung von Blasenkrebs eine Rolle; bei schätzungsweise jedem fünften Patienten mit wiederkehrendem Blasenkrebs liegt eine entsprechende Mutation vor.

Erwachsene Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem Urothelkarzinom, der häufigsten Form von Blasenkrebs, dürfen in den USA zukünftig mit Erdafinitib (BalversaTM von Janssen Pharmaceutical) behandelt werden. Voraussetzung ist, dass der Tumor eine nachgewiesene Mutation im Gen für den Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor aufweist (FGFR2 oder FGFR3) und die Erkrankung während oder nach einer vorherigen platinhaltigen Chemotherapie fortgeschritten ist. Zeitgleich mit der Zulassung hat die FDA ein Test-Kit zum Nachweis der FGFR-Mutationen zugelassen (Therascreen® FGFR Test von Qiagen). 

Die Zulassung basiert auf einer Phase-II-Studie an 87 Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem Blasenkrebs mit genetischen Veränderungen in FGFR2 oder FGFR3, deren Erkrankung nach einer Chemotherapie fortgeschritten war. Die Gesamtansprechrate betrug 32,2 Prozent, wobei 2,3 Prozent ein vollständiges und fast 30 Prozent ein partielles Ansprechen zeigten. Das Ansprechen hielt durchschnittlich etwa fünfeinhalb Monate an. Etwa ein Viertel der Probanden hatte zuvor Checkpoint-Inhibitoren erhalten; mittlerweile eine Standardbehandlung für Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem Blasenkrebs. Patienten, bei denen diese Behandlung nicht angesprochen hatte, zeigten auf Balversa ein Ansprechen.

Als häufigste Nebenwirkungen traten unter anderem hohe Blutphosphatwerte, Mund- und Lippenentzündung sowie Durchfall auf. Zudem kann Erdafitinib zu schweren Augenproblemen führen, einschließlich entzündeter Augen, entzündeter Hornhaut und Störungen der Netzhaut. Den Patienten wird empfohlen, sich in regelmäßigen Abständen einer Augenuntersuchung zu unterziehen.

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